Archive for April 2007

comment on: hungerlöhner

April 30, 2007

prekariatsstudien gab es schon immer. ob nun papier oder internet.  und immer stand auch die intention der forscher in frage, denn es waren zumeist diejenigen, denen die mark lockerer in der designerhosentasche sass als mathias, monika und marcel (und die katze heißt dann wohl muschi! sic!). zusätzlich kam dann auch noch sowas wie „wir wollen ja nur helfen/aufklären“ – quark dabei rum. da man ja wegen des grundgesetzes noch keine lebenden menschen dauerhaft ausstellen darf, begnügt sich hier die internetplattform mit dem verbal-visuellen darstellen der lebensumstände der so genannten hungerlöhner. das siegel prekariat, oder, nennen wir’s doch endlich beim namen, unterschicht wird hier wie so oft (auch noch mit selbstkommentaren) mit einer falsch verstandenen underdog-authenzität gleichgesetzt, weit ab weit ab vom böse-böse glitzerpottpourri berlin-mitte.gähn. was soll das? milieustudie 2007. vielleicht netter zeitvertreib für anthropologisch interessierte. kommt dabei tatsächlich was rum für diese dresdner (jaja, der osten….sowieso und überhaupt.), drückt vati zuhause am gesponserten rechner rum? hat irgendwie was von DDR-kulturpolitik – jedem proletarier sein PC (oder Mac. sind betriebssysteme distinktiv für das kulturelle potential ihrer benutzer…? wir schweifen ab!). greif zur feder, genosse, beschreibe den alltag im schlachthof/ kohleschacht/ textilkombinat. fragen wir nicht nach zukunft, wir wissen ja eh schon wie das ausgeht.fragen wir lieber mal: wer hat denn gesagt, dass es sowas wie vollbeschäftigung jemals gab oder geben wird (außer in rüstungszeiten)? sind es nicht immer jene, die am lautesten „gleicher lohn für alle!“ kreischen, die sich auch als erste über ungleichheit beschweren – von wegen, anti-elite, steck dein plakat bloß wieder weg. und wer unterstreicht mit einer mediendarstellung medienferner gruppen die eh schon vorhandene trennung der gesellschaft? das voyeurismus-totschlagargument spare ich mir, dafür aber nicht die frage nach der inszenierung von armut und unterschichtenkultur als happening im web 2.0, als temporärer pop-up im gewissen der vertreter der start-up generation. armut, unterschichten und prekäre lebensverhältnisse betreffen nicht nur länger mehr eine beinahe schon klassische klientel, sie betreffen auch jene, denen mal ein aufstieg aus den kleinen verhältnissen nach klassischem sozialdemokratischen vorbild in die tasche gelogen wurde und die sich nun zwischen den stühlen namens verweigerung und anpassung befinden. 

vorschlag für neue projekte: eine WG mit arbeitslosen in rostock oder madgeburg, jeder bekommt einen neuen ein-euro-job pro woche und wer versagt, dem wird die stütze gekürzt. die jury kann dabei eine namenlose instanz sein, vielleicht auch per internet-voting. wer irgendwann nicht mehr zahlen kann, fliegt aus der WG und wird dann auf dem weg in den abstieg verfolgt.  den weg zurück gibt es nicht, alles erschöpft sich in einer dauersendung auf you.tube. christoph schlingensief bastelt daraus große teutonische kunst, die dann teuer ins ausland verkauft wird und das geld wird in den bau einer behindertentagesstätte gesteckt (jedoch schön weit weg vom stadtzentrum, ne, die behinderten finden das ja auch viel toller auf wiesen und so.), in der kameras das geschehen rund um die uhr verfolgen. platoon sendet dann live.

und wie pavel schon sagte: jaja, blabla.

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Mehr Krypto für die Paar Geeks

April 29, 2007

„So gesehen ist das ein großer Sieg, daß der Staat jetzt mit dem Onlinetrojaner die Hosen runter läßt, denn das sagt mir, daß unsere Krypto-Kampagnen Erfolg genug hatten, um den Regierenden Angst zu machen, ihre Schäfchen könnten sich ohne ihr Mitwissen gegen sie auflehnen. Daher: Weitermachen! Mehr Krypto! Alle eure Platten verschlüsseln, eure Emails verschlüsseln, alles verschlüsseln. Je weniger ihr zu verbergen habt, desto mehr Krypto müßt ihr benutzen.“

Das bringt’s jetzt. Die Leute, die ohnehin alles verschlüsseln sollen noch mehr verschlüsseln!

In meinem recht heterogenen Bekannten- und Freundeskreis „verschlüsseln“ höchstens die üblichen Verdächtigen, und wenn der verehrte Leser sich nicht zu den Informatikern/langhaarigen Bombenlegern/GNU-Kommunisten zählt wird es in seinem Freundeskreis so ähnlich aussehen. EMails werden oft nur signiert, wenn überhaupt – weil die Gegenseite meistens eh nichts mit PGP oder jeder anderen Form von eMail-Verschlüsselung anzufangen weiß. Was Festplattenverschlüsselung anbetrifft, so betreibt sie meines Wissens nur eine Minderheit der Mac-Leute – FileVault halt; nicht nur, dass die Mac-User eine Minderheit an sich bilden, FileVault wird auch längst nicht von allen eingesetzt.

Ich kenne keine Studien, die sich mit der Nutzung von PGP befassen, aber ich würde aus meiner persönlichen Erfahrung heraus den Anteil der PGP-Benutzer auf höchstens 5% schätzen. Die haben vielleicht gewonnen, die übrigen 95% aber nicht. Krypto kann man also abhaken! Die ohne Expertenwissen sind halt „doomed“, was soll’s.

Solange Verschlüsselung keine obligatorische Angelegenheit ist wird sich auch nichts an den Verhältnissen ändern.

hungerlöhner.de is not a bullshitschleuder?

April 29, 2007

Mindestlohn, schön und gut, wir sind ja alle irgendwie dafür. Aber wird dieses Blog wirklich von Mathias, 48 Jahre, einem Fleischer aus Dresden geschrieben? Sind Mathias und seine Frau Monika wirklich seit 20 Jahren verheiratet? Es sind Fotos zu sehen, die vor Authentizität geradezu strotzen, z.B. dieses hier.

„In diesem Weblog wollen wir über die Lebensumstände einer realen Hungerlohn-Familie in Deutschland berichten. Eure Erfahrungen und Meinungen können Ihr gerne als Kommentar direkt zu jedem Artikel äußern.“ Wer ist „wir“? Ich würde gern daran glauben, dass die Jungs von Platoon, der Firma, die sich für „Konzept, Design, Redaktion, Technische Realisierung“ des Hungerlöhner-Blogs verantwortlich zeichnet, nur die technische Infrastruktur zur Verfügung stellen und Pappa Mathias mal eben zeigen, wo man alles klicken muß, um.

Vielleicht bin ich bloß paranoid. Ein Argument für eine relative „Echtheit“ des Ganzen wäre vielleicht die Tatsache, dass eigentlich nur Mathias bloggt. Stünde eine Manipulationsabsicht dahinter, so würde, denke ich, sogar die Katze der Familie mitbloggen.

—-

Die Firma Platoon teilt auf ihrer (bestimmt strategisch!) Verwirrung stiftenden Webseite mit:

PLATOON is not an advertising agency.
PLATOON is not a creative-agency.
PLATOON is an organization.“

Jaja, blabla.

Yada, yada, yada … Perturbation…

April 29, 2007

Wo Universitätspädagogen mit ihrem Halbwissen prahlen und die Hirnforschung für ihre konstruktivistischen Didaktikmodelle preisen, wo BILD und Greenpeace gemeinsam für den Schutz der Erde einstehen und womöglich großformatige BILD-Banner in Bälde etliche Öltanker im Atlantik zieren, wo jeder noch so infantile, flache Spruch eines Totenkopf-Haarspangen-Szene-Hipsters witzig und einer Zitation würdig erscheint, wo Multiple Choice-Fragen das existentielle Weiterbestehen bestimmen und den aufklärerischen Gedanken gegen ein stupides Abnicken – man kann sagen – zunichte machen, wo einen Fragen wie diese umtreiben, wieso männliche Personen mit einem IQ deutlich unter 90 in der Regel stets eine sehr tiefe, fast monoton klingende Stimme haben, wo nach Abschluss empirischer Studien eine Stadt wie Düsseldorf europaweit als jene mit der vierthöchsten Lebensqualität (ist auch das messbar?) ausgezeichnet wird, wo Reifizierungen in den „Wissenschaften“ unreflektiert und ungebremst fortschreiten können und wo nicht zuletzt Jura-Professoren für die Wahrung der deutschen Sprache einstehen, in ihren Skripten aber scheinbar die Orthografie nicht gar so ernst nehmen, da erscheint selbst ein sechsbeiniges Lamm nicht mehr als außergewöhnlich.

бывает

April 29, 2007

Die Shtetl Allstars auf großer Reunion Tour – die erste seit 1933 – zusammen mit den funky Diaspora Kids of the former East Blok. Kладбище, Kладбище! Дискотека!! Dancing on the corpses’ ashes… zeig mir was du kannst, shake what yar mama gave ya, wie auf der Beerdigung von Tante Esther. Junge, wenn du groß bist, wirst du ein Trompeter. An der Decke kondensiert transnationaler Schweiß aus über 14 Nationen, ruft einer laut Cigani! in den Raum, wer sich umdreht oder lacht… den Pass zuhause lassen, in der Küche, in der Keksdose, oben auf dem Kühlschrank, neben dem Foto von Omas 80. Geburtstag in Trochimbor. In der Ukraine essen sie noch Hunde. Und am achten Tag schuf Gott die Aubergine (oder Banane, das ist Ansichtssache), Osteuropa und erfand das Rezept für Smetana, überhaupt alles überflüssige & schöne. Amalgamierte Gegenwart mit den Schuhen fest verhaftet auf dem dreckigen und klebrigen Fußboden. Tanz tanz wie auf der Hochzeit von Cousine Hannah!! Ich tanze schneller als du schießen kannst. Vorbei an den Gräbern und koscheren Nutten. Родина продана, zumindest hast du allen Freunden davon einen ausgeben können und es hat auch noch für ein Baltika nach hause gereicht.

Mehr bloggende Doktoranden!

April 29, 2007

Weil Nikakoi grad saufen ist spiele ich hier mal als Vertretung die intellektuelle Instanz und verlinke ein Blog, das mir im Zuge der Recherche heute abend über X Ecken von Google ausgespuckt wurde. Es handelt sich um das Blog von Aram Sinnreich, eines Mannes mit vielen Talenten, wobei für uns jetzt seine wissenschaftliche Begabung wichtig ist. Aram arbeitet nämlich an einer Diss über interessante Dinge wie Urheberrecht, Filesharing, Mashups wasweißich und macht seine Arbeit an der Diss konsequent öffentlich, vor allem durch Kommentare zur aktuellen Lektüre – hier ein Beispiel. ‚Ne sehr anregende Sache, sollte es öfter geben; klappt auch ganz ohne Manifesteschreiben. Nebenbei – ist das jetzt wieder amerikanisch, dieses Drauflos, dieses Ungezwungene? Muß der Deutsche erst ein Manifest geschrieben haben, um…? Doch wir schweifen ab.

Und, weil’s auch um de Certeau ging, wieder neues Wort gelernt! Poaching. Jawoll.

Anti-Anti-Antidote

April 28, 2007

Es ist schon erstaunlich. Ein einziger Scot W. Stevenson wirkt mit „USA Erklärt“ dem Antiamerikanismus eher entgegen als Duffys Medienkritik, Gregor Grobinski und Horden von selbsternannten bräunlichen „Liberalen“ und Broderisten zusammen. „USA Erklärt“ ist vielleicht das Beste, was uns passieren konnte, Genossinen und Genossen. „Ausdrucken und an die Wand hängen“, wie jemand anderes gern sagt.

i wanna die in the summertime

April 28, 2007

April, Sommer 2007, die neue saisonale Diktatur hat begonnen. Zieh dich aus, Frühling ist vorbei. Kollektivistisch sich über jeden radioaktiv verseuchten Sonnenstrahl freuen, Dauerokkupation der öffentlichen Plätze durch unterforderte Milchkaffeetrinker im Koffeinrausch, fatalistische Kleiderwahl, oliofaktorische Herausforderungen am Rande der Verletzung der Menschenrechte.
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what’s the advantage with vista

April 27, 2007

Ein Engländer und ein halbes Dutzend Japaner, zu Tisch, Kirin saufend; Unterhaltung über die Vorzüge und Nachteile von Windows Vista. Der Engländer fährt ab auf Eeks Pee (Vista „merely an update“), die Japaner auf Vista („fon kshunality“).

Manche Gesprächspassagen werden auf Japanisch geführt, der Engländer scheint’s zu verstehen. Irgendwann redet der Engländer darüber, dass ja China bald alle anderen Nationen in Grund und Boden stampfen wird, „will come up with something revolutionary“, das hören die Japaner nicht gern und verfallen in ein verächtliches Grunzen, welches nur von gelegentlichen Hai-Rufen der Kellnerin unterbrochen wird.

hörbefehlskette I

April 27, 2007

Bob Powell. Wie war das? Hörbefehl ist vermutlich das richtige Wort. Für einige wohl etwas zu experimentell, aber niemand kann sich rausreden, ist umsonst nämlich, die Mucke, z.B. im Gegensatz zu Captain Beefheart oder Red Crayola. Also, hören, jawoll.

(via Black Sweater, White Cat wo es zwar nicht immer, aber oft genug nette Sachen aus dem Universum der freien Musik gibt)