i wanna die in the summertime

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April, Sommer 2007, die neue saisonale Diktatur hat begonnen. Zieh dich aus, Frühling ist vorbei. Kollektivistisch sich über jeden radioaktiv verseuchten Sonnenstrahl freuen, Dauerokkupation der öffentlichen Plätze durch unterforderte Milchkaffeetrinker im Koffeinrausch, fatalistische Kleiderwahl, oliofaktorische Herausforderungen am Rande der Verletzung der Menschenrechte.

Sommer soll ja angeblich so toll sein. Versteh ich gar nicht, denn Sommer heißt, dass man sich aus dem pelzigen Humankostüm pellen muss und der Zwang zur fleischlichen Exposition mit jedem Plusgrad der Celsiusskala steigt. Jetzt wird es eng für alle ästhetisch Unterentwickelten, es gibt kein Entrinnen. Denn während andere lässig flipfloppend vorbeiwatscheln, kratzen andere den verheilten Schorf vom Zehensteg und stellen sich die brennenden Fragen unserer Zeit: Wann wird das nässenden Gefühl in der Kleidung vorbei sein? Und ob Stefan Raab endlich für immer Sommerurlaub macht? Rexona 24h oder doch lieber den Fa-Frischekick?Apropos, geplante und durchkonzipierte Freizeitgestaltung a.k.a. Urlaub wird es auch dieses Jahr nicht geben, statt dessen Sommer auf dem Balkon, zwischen versengten Geranien, zu Tode gewässerten Gummibäumchen und den Bierflaschen vom letzten Jahr – eingezwängt auf wackelnde, scheuernde Plastikstühle ohne Substanz und automatischer Schweißgenerierung beim erstmaligen, mehrstündigen Draufsitzen. Überhaupt ist sitzen sehr beliebt im Sommer, ob allein (was aber schon wieder auf Depressionen schließen lässt beim ungeübten Betrachter) oder im lärmenden Rudel, ob nun um Feuer, Steinkreise, Salatkreationen, Haschischpfeifen, Aluminium-Tumbleweed; die eigene Stumpfheit in die Mitte geworfen und mit denen in der Hitze der Holzkohle und solaren Einstrahlung ausgebrüteten ureigensten Menschheitstrieben betrachtet. Nenn es grillen.Ein weiterer sommerlicher Imperativ ist der des sich Draußen-Bewegens, des sich Draußen- Aufhaltens. Schwimmbäder und Liegewiesen sind sowieso fest in der Hand suburbaner ritalinverseuchter Jugendbanden auf einer Überdosis Tip-Cola und Himbeereis. Andere verspüren den Drang nach der aufgebrochenen, porösen Erde, in luftigen Baumwollfetzen graben sie in ihren Gärten nach Essbarem. Prekariatsschönheiten potenzieren ihre Melatoninproduktion nun im Freien mit ausgiebigen Sonnenbädern; meist eher mit den Folgen von Sonnenbrand und Metastasenbildung. Kurzum, man wird nicht mehr in Ruhe gelassen, bis die vollständige Assimilation an den Sommerdiskurs vollzogen ist, oder man zumindest ein schlechtes Gewissen bekommt, heute nur mal kurz am Briefkasten gewesen zu sein. Saisonal Abgehängte sind die, die noch immer in überdachten soliden Behausungen sich rumtreiben, verdächtig beäugt von allen Teilzeitnomaden und Hobbyexhibitionisten; überhaupt, gängiges Merkmal dieser retardierten Spezies ist eine Kleiderlänge von über 40-50 cm (Oberbekleidung) und 50- 70 cm (Unterbekleidung), überhaupt das generelle sture Verharren auf das Anlegen von Kleidung um die noch schwammige, weißliche Hautsubstanz unter der Trikotage eher zu verbergen als zu schützen.

Sommer ist scheiße – grenzt aus und macht unfrei. Man halte es mit den Manic Streets Preachers und ihrer Losung: „ Scratch my leg with a rusty nail, sadly it heals, colour my hair but the dye grows out, I can’t seem to stay a fixed ideal, whole days throwing sticks into streams, I wanna die, die in the summertime.”

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4 Antworten to “i wanna die in the summertime”

  1. pavel Says:

    Snuet würde es gefallen.

  2. snuet Says:

    was würde snüt gefallen? ‚I wanna die in the summertime‘, die summertime selber oder I wanna die in the summertime? Letzteres ungefragt sowieso, zweiteres eigentlich auch, ersteres jedoch nur bedingt. achgottchen, und sowas alles; vielleicht ja den sommer umcodieren? Man könnte ja die leute unter klimaanlage und massiver förderung von schnee umdingsen, sodass fertige, schweißflecke shirts ja auch schon zu kaufen gibt
    , damit die eigenen poren auch mal urlaub.. und so
    mit verlaub,
    danke.

  3. snuet Says:

    äh, zu dritten „I wanna die…“ setzte ich eigentlich voraus, dass html sowas wie „>text/text

  4. snuet Says:

    so a bledsinn!

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