Archive for Mai 2007

Wir wurden gefunden.

Mai 29, 2007

Ich als Nikakois Bloghausmeister kann mich nicht genug staunen über die „Suchbegriffe, mit denen dieses Blog gefunden wurde.“ Unseren herbeigegoogelten Lesern brennen einige Fragen unter den Nägeln und wir wollen sie nicht länger schmoren lassen.

mädchen kacken – gleich dreimal. Ja, sie kacken; und das ist eine tatsache, die man schlecht leugnen kann. Und du musst damit leben!

wie sieht die muschi von mädchen aus ? – schon mal eine Muschi von Jungen gesehen? Ich mein‘, was soll denn bitte die Frage? Aber zur Kenntnis genommen, vielleicht bringen wir ja irgendwann eine detaillierte Beschreibung von „die muschi von mädchen“.

knut wächst  – ach nee, ihm bleibt nichts anderes übrig. einige verwirrte dürften wohl erwarten, dass klein-knut sein wachstum einstellt, zu trommeln lernt und dem Berliner Zoo Zilliarden von Besuchern verschafft. Gott wird es aber nicht zulassen.

Sooo, tschüsschen dann, nech. Bin weg!

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mich laust ein affe

Mai 28, 2007

„Kevin Kjonaas ist ein Mensch, der gegen Tierquälerei kämpft. Er ist Mitglied der so genannten SHAC7 (6 Individuen und die Organisation Stop Huntington Animal Cruelty USA), die die grausamen Tierversuche der Huntington Life Sciences-Labore in England und den USA öffentlich macht und Schließungen dieser Labore fordert.
Weitere Infos zum Thema Tierversuche bekommt ihr übrigens hier , hier und hier.“

Und hier und hier und hier kriegst du es mit einer alten Salatgurke um die Ohren gehauen. PETA? Hallo? Geht’s noch? Das Durchschnittsalter der Besucher ihrer Homepage ist wahrscheinlich 13 oder so. Oh, da gibt es auch ein Video: ein sexy Sprecher, er heißt Alfonso, erzählt mir, wie dieses Video mein Leben verändern kann. Echt? Oh, her damit! Alfonso hat echt eine gute Stimme (raucht der soviel wie ich??) und ich sehe Hühner, Rinder und Schweine und so in den USA. Hm. Denen geht es nicht gut. Aber vielen Menschen geht es auch nicht gut in den USA. Sie werden nicht immer in Käfigen gehalten und haben auch keine Pamela Anderson, die sich naggisch für sie fotografieren lässt. Und überhaupt… wie viele Probleme verursacht überhaupt erst der Verzehr dieser Tiere, Stichwort Adipositas? Nothing can come between me and my burger but a lettuce leaf…

“Wo immer Du auch hingehst, hinterlasse stets ein paar Aufkleber und Flugblätter, trage Tierrechtsanstecker und – kleidung und erzähle jedem, dass Hühner oft bei vollem Bewusstsein sind, wenn ihnen die Hälse durchgeschnitten oder sie in Tanks mit brühend heißem Wasser geworfen werden.“

Irgendwie…ich denke an Hunde in Moskau. „Wo immer du auch hingehst, erzähle jedem, dass sie am Straßenrand hausen, verlaust, verdreckt, sadistisch gepeinigt von Betrunkenen. Man schneidet ihnen den Schwanz ab, knüppelt sie von den Lüftungsschächten im Winter.“ Und nochmals: HALLO??

„Denk dran, Aktivismus gehört genauso zum täglichen Leben wie Zähneputzen oder Gesichtwaschen. Wenn Körperpflege nicht Deine Stärke ist, besteht dennoch Hoffnung – es ist schließlich wesentlich motivierender, Experimentatoren daran zu hindern, empfindliche Kaninchenaugen mit ätzenden Chemikalien zu betupfen, als Mundgeruch oder Pickel zu bekämpfen.“

Wie sollte man sich nach  dieser Beschreibung Sex unter Veganern vorstellen? (Brr….) Es gibt übrigens ein schönes, äußerst populäres Lied von den Dandy Warhols darüber, „so bohemian like you“ (ja, das aus der Werbung), ein verkannter Hit!

PETA hat einen anner Klatsche. Aber so richtig. Alfonso, ess dein Tofu alleine. Es ist interessant am Beispiel von PETA zu sehen, dass die suburbane Langeweile Tiere auf eine Stufe mit Menschen stellt, wohingegen in Ländern wie den USA, aus denen auch das dolle Aufklärungsvideo (mit Jugendschutzkategorie „ab 16“ versehen!) stammt, nicht mal ihre Sozialpolitik gebacken kriegt. Und Deutschland, Freilauffläche des glücklichen Huhns? Tierschutzaktivismus? Amok laufen gegen ein Steak, moralische Räuberleiter um jede Kitty von ihrem Baum zu retten.

P.S.: Ich bin AUCH Vegetarier. Trotzdem muss ich niemandem, der seine Bratwurst genießt eine Waffe an die Schläfe halten: friß oder stirb. Veggies sind nicht unbedingt die besseren Menschen, obwohl es so einfach scheint, das zu glauben – pah. Sie sind kleine trophologische Terroristen und verwandeln jedes Grillfest in eine Büchse der Pandora. Muss das sein? Nö. Komm, lass uns eine Friedensmöhre knabbern.

http://peta2.de

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ein gigantischer eierkuchen schwebte um 20:47 uhr über ostberlin

Mai 26, 2007

Ja wirklich! Der Eierkuchen, nicht unbedingt extraterrestisch, aber schwebte über den Köpfen der Leute am Halleschen Tor, setzte dann zum Landeflug an, senkte sich langsam tiefer in die Massen und bedeckte dann mit einem leisen „puif“ ihre Köpfe. Da blieb er liegen, der Eierkuchen. Er war noch mindestens handwarm und roch exotisch. Es ist Karneval der Kulturen in Berlin. Pünktlich dazu fängt es an zu regnen und zu hageln. Egal. Berliner Hobby-Integrationsspezialisten lassen sich nicht abhalten – dann wird halt barfuss getanzt. Der Durchschnittskarnevalist ist weiblich, geschieden, keine Kinder und tanzt in ihrer Plastikjacke von Jack Wolfskin ihre Menstruationsbeschwerden zu afrikanischen Trommelrhythmen weg. Dickbäuchige Weißbrote sabbern lateinamerikanischen Schönheiten hinterher oder tanzen ungelenken Salsa. Mal endlich die deutsche Sau, äh, rauslassen. Leitkultur? Leistenkultur! Groove is in the heart und in meinem bunten Getränk aus Guatemala. Jetzt können Sie mit Integration loslegen – alle meine Migrantionshintergründe. Ich sehe eine Inderin (ich sag das mal so pauschal ohne es zu wissen) ein fette Bratwurst mit Senf essen. Jawoll. Die muss den Test nicht mehr machen. Auf der anderen Seite schmeißt sich die deutsche Realität auf alles was bei drei die Panflöte nicht versteckt hat. In echt: die Präsenz von Fußgängerzonengruppen hatte sich hier quadrupelt. Es gab sogar Schamanentanz, aber auf Playback. Supi. Es wurden fleißig mit dem Teuro Traumfänger in babyblau gekauft, Sorgenpüppchen, fetttriefendes aus der türkischen Garküche, Lederarmbänder und Fairtrade Kaffee. Yeah. Mit jedem Kasten Bier retten wir den Regenwald. Mit jeder Bionade darf eine Schnecke in Hinterbutzingen weiter über die Strasse kriechen. Alle dürfen mitmachen. Jeder trägt sein Distinktionsmerkmal mit sich rum, vorwiegend auf T-Shirts. Das liest sich dann: Istanbul, CCCP, Hertha Berlin. Ich habe auch das Gefühl, hier tanzen sich die G8-Gegner warm. Verträumtes Mädchen in einer Bandage aus multikoloren Schals und Tüchern, barfuss natürlich, wie sie den schüchternen langhaarigen Bub mit der Ziegenfelltrommel und dem dazu passen Ziegen(sic!)bärtchen anlächelt. Wenn die Sonne untergeht wird in den Büschen Liebe gemacht und gepinkelt. Pflicht ist übrigens auch das tragen von Jonglierutensilien, Gott weiß warum. Keule. Althippies trinken billiges Bier und wollen ficken. Sonst sind sie friedlich und zucken manchmal mit dem Oberschenkelhals. Äh, und nein, ich werde nicht mit dir mitgehen. Nein, auch wenn dein Visum in vier Tagen ausläuft, is nich. Interessant übrigens, mitten zwischen türkischem Techno und obligatorischem Trommelgewummse, ein kleiner weißer fahrender Schankbetrieb, der laut Karnevalslieder aus Köln spielt. Da bleibe ich stehen. Da sitzen sie, in ihrem engen rosa Tops und flirten über ein Kölsch mit dem Jochen. Fleischmassen quellen an den Extremitäten hervor, es scheint sie nicht zu stören… Goldschmuck hat sich über Tag in die weiß-rote Haut gebrannt. Später wird Gabi aber doch mit Ugumlane aus dem Senegal abhauen. Und Jochen? Der hat sein Kölsch. Der Eierkuchen kühlt langsam aus. An den Rändern hängt er schlaff runter. Drunter wuseln die Leute. Ein hispanisch aussehender Typ geht an mir vorbei, auch er mit Distinktions-T-Shirt-Ansage: „Schöne Frauen. Weltfrieden“. Ach ja, und dings.

Lesefreuden

Mai 26, 2007

 

Warum ich ein Buch lese? Weil ich es kann, weil ich ein Mensch bin und mich für andere Menschen interessiere. Neugier. Ja gut, das ist Klatsch, aber so sind wir nun mal.
Sind hier Ken Follet Fans unter uns? Oder Tom Clancy Fans? Oder welche, die gern John Grisham lesen? Gut. Ich denke, jeder von denen hat ein oder zwei ganz gute Bücher geschrieben, wenn man diesen Schreibstil mag. Ich mag ihn nicht. Und der Rest ist ziemlicher Mist. Sehr erfolgreich, aber Mist.
Das Problem bei all diesen amerikanischen Büchern ist, dass sie auf völlig falschen Ideen basieren. Ich meine nicht die Story. Die Story ist meist ein Thriller, ein Krimi, irgendwas spannendes. Aber die Bücher sind sehr dick, viele hundert Seiten. Und da haben wir das Problem. Wie hält man eine Story über mehrere hundert Seiten lang spannend? Denn das müssen sie sein, sonst liest sie keiner. Nun, man könnte meinen, dieses Autoren halten sich bei ihren dicken Büchern an große Vorbilder wie Thomas Mann, der hat auch einen Haufen dicke Bücher geschrieben. Mit einem Unterschied, seine Geschichten sind gut. Nicht spannend, aber gut.
Es sind Epen, Familienromane, Geschichten über Menschen, die sich entwickeln, die leiden und lieben und sich streiten und vertragen und mit denen man als Leser mitleben kann. Man kann sich in sie hineinversetzen, sie sind real, wirklich da und man kann sie verstehen und man mag sie oder eben nicht, es sind richtige Menschen. Mit Beziehungen.
Ja, in den Büchern von Thomas Mann gibt es viele unterschiedliche Figuren, die kommen und gehen und alle haben verschiedene Namen. Aber man kommt nicht durcheinander. Thomas Mann lässt sich Zeit, das Buch ist ja sehr dick, da kann man sich mit der Geschichte und den Figuren Zeit lassen und sie einführen und vorstellen, bis sich der Leser an sie gewöhnt hat und eine Meinung von ihnen entwickelt hat.
Denn das ist die Art und Weise, wie wir mit Menschen umgehen. Wir beobachten sie, wir bilden uns eine Meinung über sie, sympatisch oder unsympatisch, wir merken uns dann ihren Namen und können wir sie einordnen. Und sie verwirren uns nicht mehr. Freund oder Feind, alle klar.

Bei Clancy und Co gibt es das auch. Dicke Bücher mit irre vielen Figuren. Das haben sie sich gut abgeschaut. Aber leider sind ihre Storys ja spannende Storys. Die leben von Action, schnellen Szenenwechseln, überraschenden Wendungen. Alle paar Seiten kommen neue Figuren dazu. Kennenlernen? Keine Zeit. Entwicklungen? Keine Zeit. Schnell weiter, es muß spannend bleiben. Wie viel Action, Szenenwechsel und Überraschungen kann ein Leser wohl verarbeiten, bevor sich sein Gehirn verabschiedet.
Mich ermüden diese Bücher deshalb so schnell, weil sie so schnell sind. Das ist unnatürlich, es entspricht einfach nicht unserer Wahrnehmung. Wenn mich etwas interessiert, bleibe ich stehen, ich setze mich und schaue es mir genau an, in Ruhe. Das geht bei diesen Büchern nicht. Und irgendwann schaltet man ab. Man ließt und ließt, um einfach zum Ende zu kommen und das Geschehen rauscht an einem vorbei, es überrauscht einen.
Deshalb merken die meisten Leser auch gar nicht, dass die vielen Figuren, die da mitspielen, gar kein Menschen sind. Sie sind hohl, haben keinen Charakter, keine Tiefe und keine Untiefen und sie können sich nicht entwickeln, weil sie nur eine Hülle sind, in der die Action transportiert werden soll.

Hier entsteht aus einer spannenden Story eine schnelle Abfolge wahnsinnig vieler Figuren und Schauplätze, und von der Story bleibt eigentlich nicht viel übrig. Das ist dumm. Hier soll die Aufmerksamkeit des Lesers durch schnelle Bewegung aufrechterhalten werden. Diese Methode ist für den Film gut, harte Schnitte, viele ständig wechselnde Konturen und Bewegung. Das ist etwas, das wir von unseren Augen kennen, so sehen wir.
Aber wenn ich lese, dann brauche ich Konzentration. Und Bewegung verhindert Konzentration, Bewegung lenkt ab, weg von der Story hin zur Bewegung. Es ist ein Reflex, ein Schutzmechanismus vor angreifenden Tieren. Das sind einfach keine Bücher. Keine geschriebenen Geschichten. Mehr Filme, die einer aus versehen aufgeschrieben hat. Hollywood-Action-Filme. Nach dem Film geht man aus dem Kino und denkt, was für ein Unsinn, naja, es war ganz unterhaltsam, aber total unbrauchbarer Unsinn.

50 jahre gleichstellungsgesetz. juhu.

Mai 23, 2007

Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs, 1966:

“ die frau genügt ihren ehelichen pflichten nicht schon damit, dass sie die beiwohnung teilnahmslos geschehen läßt. wenn es ihr infolge ihrer veranlagung oder aus anderen gründen, zu denen die unwissenheit der eheleute gehören kann, versagt bleibt, im ehelichen verkehr befriedigung zu finden, so fordert die ehe von ihr doch eine gewährung in ehelicher zuneigung und opferbereitschaft und verbietet es, gleichgültigkeit oder widerwillen zur schau zu tragen.“
(Aktenzeichen: IV ZR 239/65)

sonntag

Mai 21, 2007

ein hippie, der sich einen schlafsack über den kopf zieht und dazu sing-sangt:

„der zauuun muss we-he-eg! der zauuun muss we-he-eg!“ später: „das ge-he-ld muss we-eh-eg, das ge-eh-ld muss we-eh-eg, maaaa-mmon, du blöde sau!“

ein verstörter hund daneben.

fünf euro finden, verkaufsgespräche mit einer alten frau, die bandscheibenprobleme hat und mir ihr herzchenarmband nicht überlassen will: „dit is von AVON, hat damals fuffzehn euro gekostet, HERZCHEN!“ hat sie gearde herzchen gesagt? es riecht nach marihuana auf dem boxi, aber wirklich immer. mischt sich mit dem new-age räucherstäbchenscheißduft von anderen ecken. abgemagerte kleinkünstler auf methadon beglücken kinder am straßenrand mit marionetteneinlagen, die weder gekonnt noch interessant sind – die eltern geben trotzdem zähneknirschend geld. einige schwerstalkoholisierte punker randalieren auf dem spielplatz. man wird ständig übers ohr gehauen.

Sunday comes alone again//A perfect day for a quiet friend//And you, you will set it free//I see new morning yound your face//Everybody says it’s another phase//And now, now it’s come to me//See the magic in your eyes//I see it come as no surprise//And you, you turn your eyes away//Yeah, you, you turn it all away//I guess it’s true, it’s never too late//Still I don’t know what to do today//Oh, why can’t I set you free?//Will you do the same for me?//Sunday comes and sunday goes//Sunday always seems to move so slow//To me, here she comes again//A perfect ending to a perfect day//A perfect ending, what can I say//To you, lonely sunday friend?//With you, Sunday never ends

ecce homo (was besseres fiel mir nicht ein)

Mai 19, 2007

Unsere tägliche Kulturdosis bei „Kulturzeit“ (3Sat) brachte heuer einen Beitrag über homosexuelle Fußballer_innen, im Überbau, homosexuelle Personen des öffentlichen Lebens allgemein, hervor – und das ganz Wowereit-frei!
Kulturzeit hat es sich in letzter Zeit, oder vielleicht auch schon immer (meine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne), zur Aufgabe gemacht, den, ähem, westlichen Werte- und Kulturkanon mit teilweise unsäglich artikulierten Moderator_innen in dezent despotischer Weise und immer ästhetisch unterlegt durchzuboxen.
Heute also Homos, muss ja auch mal wieder. Tenor: Böse immer noch-Unterdrücker-Gesellschaft (streiten wir nicht ab), böses Machodenken im Fußball (ok, genehmigt), Ignoranz und gesellschaftliche Exklusion (hm…). Alles lieb und süß gemeint, wie immer – nimm die Schwuchtel an die Hand und führ sie über die Strasse des Lebens. Grundsätzliches Problem ist nur, dass sich aktuelle queere (um schon mal einen zeitgenössisches Adjektiv zu benutzen) (Untergrund)Kultur nur sehr schwer mit dem Betroffenheitsdenken der 70er und 80er, ja frühen 90er Jahre beschreiben lässt. Untergrund? Hä? Ja! Es gibt sie, die Pluralität der Queerness, aber ob das die Redakteure bei Kulturzeit wissen? Dass nicht unbedingt alles in einen Topf gehört, so wie es, vergleichsweise auch nicht „die Frauen“ oder „die Männer“ gibt? Hm.
Störend auch die grundsätzliche immer noch gerne gehypte Binarität von Sexualität: hier die Homos, da die Heteros. Die gesellschaftliche Duldung hat zwar eine Welt voll Möglichkeiten geschaffen, aber dennoch nicht verstanden, worum es geht. Mildernd muss man hinzufügen, dass diese Konzepte aber auch verdammt knapp und griffig sind, so dass ihr Diskurs auch weiterhin bestehen bleiben wird.
Bezüglich auf Kulturzeit wird da noch das große Mitleids-Thema Angst angesprochen: Angst vor unfreiwilligen Outings, v.a. in der öffentlichen Sphäre. Tatort Doppelleben. Patenrezept: mal wieder mehr tolerant und so sein. Mal wieder ein schönes Straßenfestival mit Kuchenverkauf veranstalten, lustige Regenbogen-Flaggen schwenken, auf der Bühne singt ein Schwuletti in Glitzeroutfit einen Song von ABBA. Tolle Plakate mit „ …*wasauchimmerfüreinesexuelleorientierung*… NA UND?“, dicke Frauen mit Kurzhaarschnitt, Hunde, Fahrradfahrer. Da muss man sich einfach schämen. Genau so wie die Aktivisten von gay shame, ein Konzept, dass die tolle Kulturzeit-Clique (bestimmt mit einem Quotenhomo) nicht im Traum in ihrer Diskurs-Seifenblase vorstellen würde. Statt die Vereinnahmung durch einen sowieso pseudotoleranten Mainstream (der selber zersplittert ist) mitzumachen und sich mit heterosexuellen (wie gesagt, Binarität ist so bequem!) Bildern von Homosexualität anzufreunden (und sie durchaus auch unbewusst ausfüllend), wird mehr Wert auf das Originäre, Eigene gelegt. Der kleine Unterschied. Ein queeres Bewusstsein jenseits von Kampfansage und Tränendrüse, das nicht um die Heteroanerkennung ringt und sich somit weder im Gegensatz oder im Dialog befindet, der Versuch einer eigenständigen Legitimation. Keine Manifeste von Stärke, sondern von der eigenen Schwäche – ausgelegt als Stärke gegen allzu dominante, erdrückende Images einer lediglich tangierenden Öffentlichkeit, die Notiz nimmt und  – „solange es Spaß macht“ –  partizipiert, deren Normen aber man wieder und wieder nicht erfüllen kann.
Vielleicht täte Kulturzeit und Kollegen mal die Erkenntnis gut, dass es nicht immer einen Konsens gibt und Autonomie sich nicht in einen 7 Minuten Beitrag zusammenstauchen lässt für das Bewusstsein von Vorabendsendungszuschauern. Statt der paar Minuten generöser heteronormativer Aufmerksamkeit, wie wäre es demnächst mit einem Beitrag über positive Diskriminierung? Also…Attribute von vermeintlich positiven Stereotypen, angefangen von den ewigen Klassikern, dass homosexuelle Männer immer hetero Frauen verstehen. Dass die ewige Leier von der Gleichstellung oberflächlich gesehen Toleranz atmet, jedoch im Grunde eine Anpassung des queeren Volks an Heteronormen ist (wieso wird z.B. keine etwaige Alternative zur Ehe in Betracht gezogen)? Naja. Bis einige der aktuellen queeren Diskurse die Öffentlichkeit erreichen, muss man sich peinliche Berichte angucken, die mit Waschraum-Ästhetik und unreflektierten Unterdrückungstheorien operieren. Gähn.

http://www.3sat.de/kulturzeit/

p.s: und ja, der titel ist furchtbar.  

„Frankfurter Mahnung“ (DOC-Datei)

Mai 14, 2007

Der Titel sagt eingentlich schon alles. Irgendwelche halbsenilen Herren, die keine Ahnung haben, wovon sie mit „Open Access“ überhaupt reden erdreisten sich, zu „ermahnen“ und zu „fordern“

Jegliche Art politischer Zwang zum open access zu urheberrechtlich geschützten Werken ist eine gravierende Fehlsteuerung.“

Ging es je darum, dass irgendwelche in die Jahre gekommenen Schnauzbartträger wie Imre Törok („Schrifsteller, Publizist und Ghostwriter“) oder Johano Strasser ihre  publizistischen Ergüsse der Allgemeinheit zur Verfügung stellen sollen? Ich glaube, die Ärmsten fühlen sich vernachlässigt – geht es doch bei Open Access um wissenschaftliche Publikationen und nicht um Graphomanie – das senile Trio wollte sich bloß mal zu Worte melden, in Sorge um VG-Wort-Moneten. Tja, jetzt wissen wir wohl, dass diese herrlichen Köpfe noch nicht tot sind; wir wissen aber noch mehr – dass sie keine Ahnung haben.

Mehr zum Thema bei Heise und bei Urteilskraft.

Patentrezept gegen „Grand-Prix-Wut“

Mai 14, 2007

Osteuropa schön eindeutschen und hart durchgreifend gegen Rassenmischung! Dann wird Heidi Klum auch einen strammen teutschen Offizier heiraten und keinen Neger Seal.  Dann haben die Deutschen wieder ordentlich Freunde im Ausland (außerhalb des alten Bundes-Reichsgebiets)… Die Ost-Mafia ist dann ganz eliminiert worden, es herrscht Recht und Ordnung, der König darf wieder von dreckigen Slawen und anderen Untermenschen ungestört weiterswingen. 

Hoffentlich greift jemand aus der BILD-Redaktion diesen leicht angestaubten, aber ambitionierten Plan wieder auf.

ich + meine muschi

Mai 13, 2007

Auf der Suche nach originären Mädchen Jugend- und Subkulturen stolperte ich u.a. über eine filmische Doku-Perle namens „Prinzessinnenbad“, namentlich angelehnt an das „Prinzenbad“ in Berlin-Kreuzberg.
3 Jahre werden drei junge Freundinnen am Rande der Proletisierung beim Erwachsen-Werden begleitet, der Film ist eine Hommage an weibliche Selbstfindung in Zeiten ohne jegliche Verbindlichkeit und Auflösung alles Bisherigen. Es wird herzhaft gerotzt, geraucht, geflucht, gesoffen, gehurt in dem Film. Fröhliche Zugeständnisse, dass Frauen auch nur Menschen sind. Vielleicht kann man ja endlich den Müll vergraben, die biederen Trotzköpfe, die ebenso ätzenden Fußball spielenden Jungamazonen mit kessem Spruch auf der bebend-sinnlichen Lippe und am Ende doch wegen ’nem Ollen rumheulen, nee danke. Pragmatischer Feminismus ist vielleicht auch in Kreuzberg angekommen, ganz ohne theoretische Keule, sondern mit dem richtigen Eyeliner, einem knallbunten Stringtanga und der sanftesten Damenrasur aller Zeiten.

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