letzter schrei

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Ab heute ist es offiziell: ich habe ein Stalkerin. Na gut, vielleicht ist das Wort ein Modeding und übertrieben. Aber wie bezeichnet man die Geister, die man nicht rief, die aber trotzdem nicht gehen wollen?
Früher hätte man gesagt, jemand ist eine Nervensäge, eine Plage. Heute ist es dann gleich stalken. Ich bin für diesen Begriff. Personen, deren Nähe und/oder Kommentare man weder braucht noch schätzt, sind auf die lange Sicht keine Banalität.
Angefangen hatte es mit eigener Unsicherheit und einem falschen Gutmenschentum, das ja keinen ausschließen will, egal aus welchem plausiblen Grund. Höflichkeitsfloskeln werden dann zu Sympathiebekundungen umgedeutet, Pflichttreffen in Freundschaftsbesuche interpretiert. Und das ist erst der Anfang. Nach dem ersten beiläufigen Geplänkel ist man dann: Freunde. Oder so. Aber mich hat niemand gefragt.
Was folgt sind Überlebens- und Abgrenzungsstrategien. Es hilft nur pure Ignoranz gegen das ständige Näherrücken, das ständige Angelaber, die Kommentare, die niemand braucht, die Person, die niemand will. Die Erkenntnis, dass jemand diese Sache krankhaft betreibt, zeigt sich, wenn alle Abblockungsversuche fehlschlagen und die Show weitergeht – mit mir als Marionette.
Ich frage mich, was in meiner Stalkerin vor sich geht. Sie ist auf jeden fall unglaublich einsam, verzweifelt auf der Suche nach ein bisschen Anerkennung, ein bisschen Gesellschaft und Austausch. Warum all ich dies sein soll, verstehe ich nicht, da uns nichts Persönliches verbindet – soweit ich weiß. Sie ist die klassische hässliche Ente, pummelig, etwas streng riechend, fettige platte Haare, keiner guckt sie jemals an mit sehenden Augen, niemand sagt ihr mal was Freundliches, niemand fragt ob es ihr gut geht. Und ich gehöre zu den oberflächlichen Arschlöchern, die diesen Leuten das leben zusätzlich schwer machen. Aber warum niemand dieser Person gezeigt hat, wie man es macht, wie man Leute gewinnt und sie nicht abschreckt – ich weiß es nicht. Warum sie die unterschwelligen Signale dieser komplexen Gesellschaft nicht versteht, warum sie nicht versteht was NEIN heißt und wo die Grenzen sind.
Wenn es so weitergeht, das Nachstellen um die wenigen Blocks, wenn sie mir nach hause folgt, mich „überrascht“ irgendwo, meine Freunde ausspioniert, mich vollabert auf der Strasse und und und…wenn das alles  passiert, werde ich ihr sagen: warum lässt du mich nicht einfach in Ruhe?

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3 Antworten to “letzter schrei”

  1. dergutename Says:

    vielleicht folgt ja nicht nur nachstellen um die blocks, sondern auch in den blog!

  2. pavel Says:

    oh mann, das ist ja echt ne fiese geschichte. ist sie das „fette nachbarskind“? 😉

  3. nikakoi Says:

    @ dergutename. nee. soweit sind wir noch nicht. für internetauffindung dieser art bräuchte es gehirn und nicht nur stalkereifer.
    @ pav: non, le nachbarskind, c’est moi. moi, je suis grasse, et je suis , je suis… un nachbar. comprendes? 😛

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