Lesefreuden

by

 

Warum ich ein Buch lese? Weil ich es kann, weil ich ein Mensch bin und mich für andere Menschen interessiere. Neugier. Ja gut, das ist Klatsch, aber so sind wir nun mal.
Sind hier Ken Follet Fans unter uns? Oder Tom Clancy Fans? Oder welche, die gern John Grisham lesen? Gut. Ich denke, jeder von denen hat ein oder zwei ganz gute Bücher geschrieben, wenn man diesen Schreibstil mag. Ich mag ihn nicht. Und der Rest ist ziemlicher Mist. Sehr erfolgreich, aber Mist.
Das Problem bei all diesen amerikanischen Büchern ist, dass sie auf völlig falschen Ideen basieren. Ich meine nicht die Story. Die Story ist meist ein Thriller, ein Krimi, irgendwas spannendes. Aber die Bücher sind sehr dick, viele hundert Seiten. Und da haben wir das Problem. Wie hält man eine Story über mehrere hundert Seiten lang spannend? Denn das müssen sie sein, sonst liest sie keiner. Nun, man könnte meinen, dieses Autoren halten sich bei ihren dicken Büchern an große Vorbilder wie Thomas Mann, der hat auch einen Haufen dicke Bücher geschrieben. Mit einem Unterschied, seine Geschichten sind gut. Nicht spannend, aber gut.
Es sind Epen, Familienromane, Geschichten über Menschen, die sich entwickeln, die leiden und lieben und sich streiten und vertragen und mit denen man als Leser mitleben kann. Man kann sich in sie hineinversetzen, sie sind real, wirklich da und man kann sie verstehen und man mag sie oder eben nicht, es sind richtige Menschen. Mit Beziehungen.
Ja, in den Büchern von Thomas Mann gibt es viele unterschiedliche Figuren, die kommen und gehen und alle haben verschiedene Namen. Aber man kommt nicht durcheinander. Thomas Mann lässt sich Zeit, das Buch ist ja sehr dick, da kann man sich mit der Geschichte und den Figuren Zeit lassen und sie einführen und vorstellen, bis sich der Leser an sie gewöhnt hat und eine Meinung von ihnen entwickelt hat.
Denn das ist die Art und Weise, wie wir mit Menschen umgehen. Wir beobachten sie, wir bilden uns eine Meinung über sie, sympatisch oder unsympatisch, wir merken uns dann ihren Namen und können wir sie einordnen. Und sie verwirren uns nicht mehr. Freund oder Feind, alle klar.

Bei Clancy und Co gibt es das auch. Dicke Bücher mit irre vielen Figuren. Das haben sie sich gut abgeschaut. Aber leider sind ihre Storys ja spannende Storys. Die leben von Action, schnellen Szenenwechseln, überraschenden Wendungen. Alle paar Seiten kommen neue Figuren dazu. Kennenlernen? Keine Zeit. Entwicklungen? Keine Zeit. Schnell weiter, es muß spannend bleiben. Wie viel Action, Szenenwechsel und Überraschungen kann ein Leser wohl verarbeiten, bevor sich sein Gehirn verabschiedet.
Mich ermüden diese Bücher deshalb so schnell, weil sie so schnell sind. Das ist unnatürlich, es entspricht einfach nicht unserer Wahrnehmung. Wenn mich etwas interessiert, bleibe ich stehen, ich setze mich und schaue es mir genau an, in Ruhe. Das geht bei diesen Büchern nicht. Und irgendwann schaltet man ab. Man ließt und ließt, um einfach zum Ende zu kommen und das Geschehen rauscht an einem vorbei, es überrauscht einen.
Deshalb merken die meisten Leser auch gar nicht, dass die vielen Figuren, die da mitspielen, gar kein Menschen sind. Sie sind hohl, haben keinen Charakter, keine Tiefe und keine Untiefen und sie können sich nicht entwickeln, weil sie nur eine Hülle sind, in der die Action transportiert werden soll.

Hier entsteht aus einer spannenden Story eine schnelle Abfolge wahnsinnig vieler Figuren und Schauplätze, und von der Story bleibt eigentlich nicht viel übrig. Das ist dumm. Hier soll die Aufmerksamkeit des Lesers durch schnelle Bewegung aufrechterhalten werden. Diese Methode ist für den Film gut, harte Schnitte, viele ständig wechselnde Konturen und Bewegung. Das ist etwas, das wir von unseren Augen kennen, so sehen wir.
Aber wenn ich lese, dann brauche ich Konzentration. Und Bewegung verhindert Konzentration, Bewegung lenkt ab, weg von der Story hin zur Bewegung. Es ist ein Reflex, ein Schutzmechanismus vor angreifenden Tieren. Das sind einfach keine Bücher. Keine geschriebenen Geschichten. Mehr Filme, die einer aus versehen aufgeschrieben hat. Hollywood-Action-Filme. Nach dem Film geht man aus dem Kino und denkt, was für ein Unsinn, naja, es war ganz unterhaltsam, aber total unbrauchbarer Unsinn.

Advertisements

Eine Antwort to “Lesefreuden”

  1. nikakoi Says:

    fast food
    one night stands
    coffee on the go
    bestseller
    (alles anglizismen fällt mir auf?)

    was du beschreibst ist verständlich…aber eben doch ein sprung von der teppichkante – das sind, ähem, bücher für leute die nicht lesen und auch nicht lesen können (jenseits von alphabetisierung). und sie sind nicht nur wie ein amerikanischer blockbuster aufgebaut. es gibt so unendlich viel geschriebenen wichs da draußen, dass es einem leid tut um jegliche verwendete sprache. wie gesagt…

    essen ohne geschmack
    sex ohne liebe
    kaffee ohne genuss
    buch ohne literatur.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: