Archive for Juni 2007

i )heart( unterschichtenfernsehen

Juni 30, 2007

Leugnen ist feige – ich habe heute nach ich weiß nicht wie vielen Dekaden (einer vielleicht) eine Folge Knight Rider gesehen. Um meinen Ruf nicht komplett zu ruinieren, ich sah eigentlich nur den ersten Part bis zur Werbung.
Was war das nur? Retro? Nostalgie? Das Wissen, dass ich das als Kind ohne zu fragen echt GERNE geguckt habe?
Ein Mann. Ein Auto. Im Kampf gegen Ungerechtigkeit. Sagt die Stimme am Anfang. Ich guckte eine Folge, wo David Looking For Freedom Hasselhoff von drei Verbrechern niedergeschlagen wird. Er landet unter lebensgefährlichen Umständen im Krankenhaus, überlebt den Angriff – natürlich (schon mal erlebt, dass der Held so ganz ohne großes Potpourri abnibbelt?) und liegt dann geschwächt im Bett (später auf Ausgang im Krankenhauspavillion in knielangem, bordeauxfarbenen Samtmorgenrock) an sich, der Welt und überhaupt allem zweifelnd. Draußen vor der Tür steht Kit, das sprechenden Auto. Ja, sprechendes Auto. In diesem Moment ging mir eine Glühlampenfabrik an Absurdität auf – ich meine, welche schlechten Drogen hat man zu sich genommen, ein Drehbuch mit einem Mann zu schreiben, der sich über seine Casio-Bleep-Bleep-Uhr mit einem Auto unterhält? Das Auto wurde sogar sehr zärtlich, schmachtete David an von außerhalb der Mauern – er könne nicht bei ihm sein, denn Autos wären ja nun mal leider nicht in menschlichen Gebäuden zugelassen. Da bekommt das Wort Autoerotik gleich eine andere Konnotation. David nennt sein Auto Kumpel, ich frage mich, von welchem Wort das abgeleitet wurde – also wie das englische Original war. Mate?   Nein, das ist zu britisch. Aber passen würd’s. Date a car. Analytisch gesehen schätze ich mal, dass es mit der Menschheit schon ganz schön weit gekommen ist, wenn man anfängt Autos, Gegenstände, Maschinen zu humanisieren, gar zu emotionalisieren. Und nochmals: ein Auto, das spricht. Wie geil ist das denn bitte. Wundern tut mich aber gar nichts mehr, ich kenne Menschen, die ihrem ipod kleine Schutzhüllen (eine Mischung aus Wollkondom und Eierwärmer) stricken oder häkeln, eine fetischhafte Beziehung zum Touchpad ihres Mac Notebook pflegen oder Bohrmaschinen Namen geben.
Fernsehen von früher gucken ist vielleicht immer verbunden mit so einem Gefühl von etwas Abstoßung und gleichzeitig nostalgischem Schwärmen für die geschmacklichen Medienverirrungen der eigenen Jugend. Damals gab es noch keine faschistoiden Abgrenzungstendenzen, alles war erlaubt. Ich versuche mal etwas davon zu rekapitulieren:
Die Pizzacats. Ein schlechter Vorläufer heutiger Mangaschwemme, vier oder fünf Katzen in Tokio versuchen die Welt zu retten. Sie essen, ja, Pizza. Ständig. Wurde wohl in einem Büro unter amnesty international-feindlichen Bedingungen von auf einer Deadline sitzenden Zeichencrew entwickelt.
Captain Planet. Das war der Superman für meine erste Kabelfernseherfahrung in bunt. Fünf Jugendliche repräsentieren die vier Naturelemente, dazu ein weiteres Element namens, hüstel, Liebe. Die Erdmutter Gaia. Das alles in Zeiten von Post-Chernobyl. Captain Planet war die umweltrettende Instanz im Hintergrund. Die Mädchen der Crew hatten die Elemente Erde und Wasser, träge Elemente, was auch sonst – gähn. Meinen Müll sortiere ich heute freiwillig, dank Gehirnwäsche.
Der 6-Millionen-Dollar-Mann. Abgesehen davon, dass ich nicht mal  heute annähernd eine bildlich-sensuelle Vorstellung davon habe, wie viel 6 Millionen Dollar sind, war das eine Serie, die mir v.a. akustisch in Erinnerung geblieben ist: durch das Geräusch, das der Mann beim Rennen machte. Er war eigentlich eine lebende Maschine, alle Organe waren durch Kybernetik ersetzt worden. Später bekam er eine Gefährtin, sauteure Mieze, die 7 Millionen Dollar Frau. Noch mehr Geld, die Serie floppte garantiert. Dieses Laufgeräusch wollte keiner im Doppelpack.
Power Rangers. Vergnügt stellte ich fest, dass es diese Truppe noch immer gibt im RTL-Morgenprogramm. Mit neuen Anzügen und neuen Hackfressen in den Spandex-Aerobic-Ganzkörperanzügen. Aber die zackigen Bewegungen und die wahrscheinlich prolligsten Monster in the whole wide world and beyond sind nicht verschwunden. Das interessante an PR ist, dass man unter ihren Schutzhelmen keinerlei Mimik sieht. Bis heute hat mich das sehr irritiert beim Gucken, der eine kriegt was auf die Fresse und kann nur Darth-Vader-like röcheln „aaaaahhhhh….“. Schwachsinn. Ist das vielleicht schon hohe Schauspielkunst, ohne Mimik zu agieren? Sicher nicht. Der Brustumfang vieler lüsterner und schöner Bösewicht_innen ist ebenso gewachsen.
Long live Americananananana.

Advertisements

i’m gay. and i’m not going shopping.

Juni 24, 2007

Schwule und Lesben sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Zumindest standen sie gestern in Berlin-Mitte rum und feierten, äh, na, sich selbst oder so. Es gab wieder viel optisches Material für die Heterosexuellen oder Klemmis daheim an den Empfangsgeräten, wir vergnügten uns damit aufgrund des Regens, der den Spaziergang im Tiergarten nicht wert zu sein schien. Dabei fiel mal wieder auf, dass Schwulsein ja eine einzige große Party ist, zumindest am CSD. Da wollen dann alle mit, auch die Politiker, die sonst nur milde Worte von „Ja da können Sie sich voll auf den Rechtsschutz des Staates verlassen!“ übrig haben. Da wollen auch die irritierten, aber belustigten und natürlich total offenen Mütter und Väter dabei sein, ich meine, man muss ja damit rechnen, dass es mal die eigenen Kinder betrifft. Da waren dann attraktive und naja, selbstverliebte Schönheiten auf Wägen zu begutachten, viel Haut und wenig Stoff, so muss das halt sein bei den Schwulen und Lesben, wa – wird sich Heinz Potzewski aus Hellersdorf gesagt haben. Die können ja auch nicht anders, diese Triebgesteuerten. Das muss ja raus, sonst…. Ja sonst.
Stellen wir uns in aller Euphorie, die man trotzdem gerne haben darf – gucken wir nur mal rüber nach Polen und was da CSD für ein Politikum ist – doch mal vor, alle Schwulen und Lesben wären arm und sähen durch die Bank weg scheiße aus, wären behindert, säßen im Rollstuhl oder wären geisteskrank. Meine Frage zielt darauf ab, ob die so genannte Toleranz, die sich durch Großstädte zieht, und durch Berlin wie kein zweites, nicht auch eine ist, die mit der schönen kapitalistischen Erkenntnis zu tun hat, dass Schwule nicht nur eher Geld zur Verfügung haben (dafür ja auch keine Kinder versorgen- meistens) und einen erlesenen Geschmack besitzen, den sie sich ebenso was kosten lassen. So die gängige Annahme. Bernd und Klaus scharwenzeln mal für ein Wochenende übern Ku’damm um, tja, Geld auszugeben. Stell dir vor, Bernd und Klaus sind jetzt aber zwei Kerle, der eine 45, der andere 56 und sie sind beide arbeitslos. Stell dir vor, Bernd ist arbeitsunfähig, Klaus hat einen Bandscheibenvorfall. Da wird aus Ku’damm schnell mal Pankow, aus Antiquitäten Schnäppchentrödel vom Flohmarkt.
Homosexualität ist in. Überhaupt ist Sex seit den 90ern in. Man spricht so viel darüber. Dennoch ist Fakt, dass eine Mehrheit über Sex spricht und eine Minderheit ihn hat. Und es gibt den schwulen Mainstream, den Schwiegermutterschwuli, wie wir es nennen, der in unseren Köpfen, Herzen, Vorabendserien angekommen ist, da also, wo das wirklich wahre Leben beginnt. Er ist jung, auffallend jung, sensibel, gut rasiert und hat immer ein frisches Polohemd an. Konflikte gibt es höchstens mal mit dem Vermieter oder dem langjährigen Freund, der einmal mehr die Zahnpastatube, wie oft habe ich es ihm schon gesagt … bla. Außerdem: Frauen lieben Schwule und Schwule lieben Frauen. Das scheint schon seit Darwin so zu sein, jedoch ist dies auch nur die Spitze des Eisberges. Vom Affen auf den CSD-Umzugswagen. Wir können ja nicht anders.

(more…)

kurzeweile

Juni 17, 2007

Ok, langsam verkommt dieser Blog zu einem mittelintimen Familienfest – virtueller Nudelsalat in der Tupperdose. Subjektivität kriecht aus jeder Ritze und wäre es nicht, dass ich einen Hausmeister hätte, der immer mal wieder die zerbrochenen Scheiben neu glasern lässt oder den Flur 14tägig nass durchwischt, sowie mich ab und zu mal ermahnt, die Birne im Oberstübchen auszuwechseln, sie würde immer so einen Wackelkontakt haben…tja.
In einem Anflug domestizierter schlechter Laune begab ich mich aufs Fahrrad. Einmal rund um den Tierpark, das Regierungsviertel und die olle schöne lieblich nach ein wenig Ostsee (naja oder was auch immer) duftende Spree. Touristenknäuel, Velotaxis, schreisingende Rumänen am Akkordeon; am Ufer des Flusses Trommelmenschen, Sonntagsausflügler, ein Fotoshooting. Am Tiergarten winkte ich kurz Horst Köhler beim Sonnenbaden zu. Danach erblickte ich es: das Rudel. Zunächst mochte man denken, das Zigeunerlager, bekanntlich irgendwann in den Himmel gezogen, wäre wieder zurückgeplumpst, mitten in den Tiergarten. Oder sei wie Pilze aus dem noch-grünen Rasen gesprossen. Schon von weitem hätte ich die Rauchschwaden über den Bäumen erblicken können.
Das Schöne für mich als Berliner Binnenmigrant ist ja, hier Dinge zu sehen, die ich bis dato nur aus dem Fernsehen kannte und jetzt in echt und Farbe erlebe. Dazu gehört im Sommer: das türkische Massengrillen im Tiergarten. Ganze Rinder sollen da verzehrt werden, knietief watet man in Knochen und Speiseresten, beißender Rauch verhüllt die Sicht. Welcome to little Istanbul.
Naja. Vielleicht ist ja noch nicht der Höhepunkt der Saison erreicht, wer weiß. Zumindest waren da keine Rinder. Nur viele Muttis auf Decken, mit Kopftuch. Ihre Kinder, ziemlich dicke Mädchen, die, sicher noch nicht in der Pubertät, schon Brustansatz haben und die dritte Packung Eistee runterglucksen, tummeln sich um sie rum. Patriarchische Familienoberhäupter stehen am Grill und schauen der erlegten Beute beim Tropfen und Qualmen zu. Alternativ wird männlich, breitbeinig auf klapprigen kleinen Stühlchen gebrunzt, geschmerbaucht, Sonnenblumenkerne und Kürbiskerne rattern durch die Luft. Ich vermute im Stillen, in so einem kleinen Anfall gehässiger Doitschtümelei, sie fangen und essen auch Eichhörnchen. Kicher. Die dicken Eisteemädchen sehen jedenfalls so aus, als knabbern sie gerade so ein gebratenes Eichhörnchen am Stiel. Hihi.

//

Szenenwechsel in mein verträumtes kleines Heim, einer preiswerten Auffangstation für weitestgehend mitteloses sowie ausländisches junges intellektuelles Prekariat. Es ist Sommer, eigentlich hätte ich vorgewarnt werden sollen – aber ich habe die Zeichen nicht sehen wollen. Sommer, ach was, das geht ja schon im Frühling los: Pärchenzeit.

(more…)

berlin is in germany

Juni 16, 2007

Lieber Georg,

supi du, ich mach erstmal ne Flasche Bionade auf (Litschi) und locker die Zehen in meinen Zimtlatschen. Höre gerade Jay-Z, schönes altes Album, heißt „The Gift“. Naja egal, wa? Jay-Z singt gerade von prankstern – also kleinen Spackos. Weiß nicht du, ob sich da einer, vielleicht du, angesprochen fühlt. Kann ja sein, wa?
So Keule, ich schreib dir hier aus dem westlichen Teil deiner Geburtsstadt und kratz mir gerade das Kinn wegen deines Briefes und so. Hast ja mächtig dufte deinen Jungmannfrust bei der DDR-Webpage abgelassen – ich meine, darfste das überhaupt, hat das Komitee zugestimmt? Haha, nur Spaß, Keule, mach dich locker –  wa, DDR ist vorbei. Gäbe es sie aber noch hätteste den Arschleckorden ersten Ranges mit Schleife dran gekriegt.
Scheinst dich ja mächtig verloren zu fühlen trotz 22jährigem Selbstvertrauen bis unter die Schädeldecke. BRD, alles scheiße, du willst keine Milchschnitte, du willst Milchreis, du willst nicht Popstars mit D! sondern Pittiplatsch. Ergießt dich kurz über dein erwachtes Ex-DDR-Kind-Bewusstsein, Welt war damals noch in Ordnung, so wie bei all deinen Freunden, die „in einem typisch sozialistischen Elternhaus aufwuchsen.“ Weiß nicht was, typisch sozialistisch ist, für mich ist das am ehesten definiert durch kaltes Abendbrot und irgendwie absolut panne Klamotten, was ich aber auch erst auf Fotos festgestellt habe. Ansonsten sind meine Eltern, wie deine, wohl auch „typisch sozialistisch“, also eher bescheiden gebildet, wenig aufstiegsorientiert, häuslich und jeglichem Politischen gegenüber apathisch eingestellt. Passt ja schon mal – färbt aber nur in Fällen wie deinen ab, scheint mir.
Die Heimat war schön, sagst du. Deine Heimat war ein durch ausländische Streitkräfte besetztes Gebiet, Kumpel. Es gab auch Mittel, die Leute dazubehalten, auch wenn se nicht wirklich wollten – hieße ja, immer kaltes Abendbrot essen und blöde Klamotten anziehen. Und noch so vieles mehr. Weeßte ja, ne, Mauer und so, ach nee, der Schutzwall, pardon. Die Welt an sich war wohl supi als du mit deinen vielleicht 5 Jahren den Mauerfall erlebt hast (oder wirst wie ich geschlafen haben. Kinder sind gegenüber der Historie ja so scheiße ignorant.). Dass sich was verändert hat, haste am ehesten gemerkt als es im Kindergarten plötzlich Milchschnitte gab. Das muss man dem Kapitalismus lassen, er weiß wie er schon früh seine Opfer ködert.
So’n Opfer, Grischa, denkste, biste auch. Hast die Zeichen der Zeit erkannt, wa, immer weniger Leute machen deiner Erfahrung nach das Abitur (und ich dachte man kriegt das heute eh hinterher geschmissen), könne  sich nicht mehr für einen Beruf nach Lust&Laune entscheiden, verdienen wenig Geld, geraten, und für diesen Satz möchte ich dich drücken, „auf die schiefe Bahn oder schlimmeres.“ Und Rechtsradikalismus („Neonazis könnten sich durch jüdische Klezmermusik irritiert fühlen.“) und Hartz IV (aber nicht mit dir, Grischa!), der Staat kümmert sich nicht um 13jährige, die gesamten Gesellschaftsprobleme der BRD auf deinen kaum der Pubertät entwachsenen zarten Schultern und all das gab’s früher nicht – also dich oder diese Probleme?? Hast schon recht, Alter. „Man hat uns in eine Welt geworfen, die wir so nicht wollen!“ Nee echt nicht. Jetzt biste nämlich ausm Kindergarten lange raus, sogar aus der Schule und scheiße, wird eng im real existierenden Kapitalismus. Büschn rauh und so, manchmal kriegt man eine blutige Nase, und nicht nur von Neonazis die halt gerade nichts Besseres zu tun hatten oder ihre tägliche Dosis Sandmann in der Kindheit nicht fortsetzen konnten. Wir sind schon so richtig verlorene Kinder, du und icke, Grischa, steig mit mir auf den Zug ins Nimmerland, treffen uns auf ne Gulaschsuppe bei der Mitropa.

(more…)

was lustig ist

Juni 16, 2007

einer der berliner s-bahn edelpenner kommt auf mich zu:

„eine kleine spende vielleicht?“

„nein, danke.“

wo die blumen blüh’n

Juni 11, 2007

So, genug hormongesteuertes literarisches Rumgesmuuze.
Fakten Fakten Fakten.

Wie? G8 schon vorbei? Noch nicht mal die Finger knacken lassen überm Board und schon ist die angekündigte Miniserie ins Wasser (oder Wasserwerfer?) gefallen. Hier also der Nachschlag zum Vorschlag.

Ein mir bekannter junger Mann im selben Alter wurde neulich von mir erblickt, wie er erschöpft, müde, aber vor allem sehr gut gebräunt aus dem Chaos-Camp wiederkehrte. Ich begrüßte ihn, den frisch getauften Neomarxisten, mit den Worten: „Na, heute schon gekämpft?“ Ob seiner Müdigkeit, vermute ich, entsprang eine raunziger, subtil aggressiver Knurrlaut in meine Richtung.
Ein paar Tage zuvor nämlich, wieder betraf es jungen eben genannten Mann, hatten wir uns beim Kochen von Möhreneintopf (bodenständig: ich) und dem vierten Glas Bacardi-Cola (paradox-kapitalistisch: er) gestritten, wer hier eine neoliberale, unpolitische Sau sei. Da ich mein Essen nicht verkochen lassen wollte, zog ich den Kürzeren und bin jetzt halt eine neoliberale Sau. Basta.
Der G8-Gipfel hat mich deswegen wohl auch nur peripher gestreift, will sagen, erschien in meinem Wahrnehmungshorizont irgendwo links unten, gleich neben „Mama anrufen“ und „Mantel reinigen lassen“.  Erst im Nachhinein, als der ganze Zirkus schon mit seinen feuer- und wasserspuckenden Dompteuren vom Feld gezogen war, kamen die bunten Fähnlein und Kampfansagen und Protestmärsche in mein Bewusstsein. Ah, da war doch was: Ostsee, Strand, Sicherheitszone. Menschen, teilweise wichtige, gingen nach Quallen tauchen und machten Strandkorbsitzen populär (Vladimir in Schwimmflügeln…hm…George mit Sand im Schuh…).

Wie gesagt, ich hatte es mir mit meinem neomarxistischen Bekannten verscherzt durch meine Anti-Anti-Gipfel-Haltung. Dass kann ja wohl nicht sein, du musst doch eine politische Meinung haben?! Äh ja, schon, aber die lasse ich nur raus, wenn’s dunkel wird.
Für viele der Agitatoren (um ein mit der DDR untergegangenes Substantiv zu beleben) der Proteste ging es meiner Sicht nach doch nur um eines: zelten, marschieren (können die Deutschen irgendwie immer gut), zusammen aus einem trog Essen fassen und sich abends den Sonnenbrand eincremen. Ab und zu sicherlich auch Sex im Sperrgebiet. Demonstrationen wie die gegen die Konferenz in Heiligendamm verdeutlichen ja immer auch auf so fast schmerzhafte Weise, wie sehr Menschen sich im Alltag egal sind, sie sehen sich nicht und erst im Massenevent finden sie wieder sozialen Frieden unter ihresgleichen, na, der Määäääääääänsch bleibt (eben) Mänsch, wie das Grönemeyer und Bono in Rostock formulierten. Wo sind die ganzen Gegner jetzt eigentlich? Haben sie wieder ihre Buttons abgemacht, die Jesus-bzw. Trekkinglatschen ausgezogen und marschieren nur noch müde über Institutsgänge? Lässt sich Erfolg, also in diesem Sinne das Durchdringen der Unzufriedenheit zu denen, die die symbolische und politische Macht besitzen über viele Entscheidungen, überhaupt messen? Wohin verpufft die ganze Energie der fleißig geübten Sitzblockaden wohl ernährter und gut informierter Wohlstandskinder? Ich gestehe einigen ein tatsächliches Anliegen zu, eine Bereitschaft zur Veränderung, die mit dem Protest nur eine Plattform des Ausdrucks sah. Der Rest? Ein Raunzen über die „voll pottige“ vegane Verpflegung (O-Ton mein Bekannter) und den muffeligen Geruch im Gemeinschaftszelt.
G8, das Event deines Sommers. Wir waren so dabei, haben so geschwitzt und so Durst gehabt. Bekanntschaften geschlossen mit schwedischen autonomen Anarchisten, hey kommt doch mal rüber auf ein Bier, wir grillen nachher noch Tofu. Der Mensch, der junge, hordet sich gerne, ist nicht gerne alleine – all you need is the korrekte Grundeinstellung. Endet aber meist in besoffenem polemischem Geschwätz (s.o.), das generös übersieht, dass Dialog da anfängt, wo man den anderen auch mal zu Wort kommen lässt. Du hast eine eigene Meinung? Prima! Sie ist nicht so wie meine? Leider muss ich dich jetzt eine neoliberale Sau nennen, dein Auto zerkratzen und in deinen Garten pissen.

(more…)

not a love song

Juni 7, 2007

once upon a time there was a post…

Qualitätsjournalismus in Aktion

Juni 7, 2007

Okay, eine dpa-Falschmeldung, ein Schneeball-Effekt; aber das falsche Zitat ausschmücken, neue Details erfinden – wie die WAZ oder einfach keine Ahnung haben – wie die Kölnische Rundschau… Das, meine Damen und Herren, ist Qualitätsjournalismus auf höchstem Niveau. Dafür zahlt man gerne seine Einsfuffzig, oder, äh, wie teuer ist nochmal die WAZ?

Christiane Link, die vor einiger Zeit „im Dienste des dpa-Konzerns gestanden“ hat schreibt: „Wer jetzt lauthals schreit, wie denn sowas passieren kann, weiß nicht, unter welchem Druck Agenturjournalisten arbeiten.“ Doch, wissen wir, nicht aus eigener Erfahrung zwar, aber aus der Literatur und auf Teufel komm raus professionell gehaltenen Vorträgen von dpa-Mitarbeitern mit zweifelhaften Sympathiewerten. Es drängt sich bloß die Frage auf, wofür die Leute bei der dpa ihr Geld bekommen. Ganz sicher nicht fürs Jammern darüber, dass „neuerdings alles so schnell gehen muss“ usw. usf.

wo die welt noch in ordnung ist

Juni 6, 2007

 nämlich da, wo verschwitzte bauarbeiter um die mittagszeit jungen frauen hinterherpfeifen und dabei ihren tabak ausm mundwinkel ausspucken.

und ich dachte schon, die welt wäre am auseinanderfallen (G8, klima, sich näherndes sommerloch der privat-öffentlichen fernsehkanäle). puh.

seattle

Juni 3, 2007

kurzer break.

obwohl der hausmeister mir untersagt hat, mit den privaten glasmurmeln auf dem hof zu spielen (vor allem nicht in der mittagszeit von 11:30-13:30 uhr) – nichts geht über die möglichkeit die welt über einen beschissenen tag zu informieren, dessen vierundzwanzigstündiges zeitkonto ich unvernünftig und ohne nennenswertes ergebnis verballert habe (ich bin ja so neoliberal), dessen tatsächliches resultat nicht erwünscht war (immer noch gähnende leere auf meinem virtuellen schreibblock wo schon tausende zeichen ein kohärentes ganzes zu einer deadline bis morgen nachmittag hätten füllen sollen…schreibblockade, ick hör dir trapsen!), an dem mir sonst sympathische mitmenschen sagen, wie „garstig“ ich doch manchmal sei (und das auch noch ohne grund – kann man absichtlich schlechte laune haben? vielleicht einige spezielle individuen), wenn alles sein sich in illusio auflöst und menschen mit einem leben ohne kabelanschluss beneidenswert erscheinen bzw. poeten da draußen rumschwirren, vor denen man kleinlaut einknickt, und wenn die venen in der linken armbeuge sich violett färben aber dank ihnen der kühlschrank wieder voll ist. da wir können nur froh sein, dass es heute nicht auch noch geregnet hat.

music for the occasion:

lady and bird „la ballade of lady and bird“ // air „another day“ // beck „round the bend“