i )heart( unterschichtenfernsehen

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Leugnen ist feige – ich habe heute nach ich weiß nicht wie vielen Dekaden (einer vielleicht) eine Folge Knight Rider gesehen. Um meinen Ruf nicht komplett zu ruinieren, ich sah eigentlich nur den ersten Part bis zur Werbung.
Was war das nur? Retro? Nostalgie? Das Wissen, dass ich das als Kind ohne zu fragen echt GERNE geguckt habe?
Ein Mann. Ein Auto. Im Kampf gegen Ungerechtigkeit. Sagt die Stimme am Anfang. Ich guckte eine Folge, wo David Looking For Freedom Hasselhoff von drei Verbrechern niedergeschlagen wird. Er landet unter lebensgefährlichen Umständen im Krankenhaus, überlebt den Angriff – natürlich (schon mal erlebt, dass der Held so ganz ohne großes Potpourri abnibbelt?) und liegt dann geschwächt im Bett (später auf Ausgang im Krankenhauspavillion in knielangem, bordeauxfarbenen Samtmorgenrock) an sich, der Welt und überhaupt allem zweifelnd. Draußen vor der Tür steht Kit, das sprechenden Auto. Ja, sprechendes Auto. In diesem Moment ging mir eine Glühlampenfabrik an Absurdität auf – ich meine, welche schlechten Drogen hat man zu sich genommen, ein Drehbuch mit einem Mann zu schreiben, der sich über seine Casio-Bleep-Bleep-Uhr mit einem Auto unterhält? Das Auto wurde sogar sehr zärtlich, schmachtete David an von außerhalb der Mauern – er könne nicht bei ihm sein, denn Autos wären ja nun mal leider nicht in menschlichen Gebäuden zugelassen. Da bekommt das Wort Autoerotik gleich eine andere Konnotation. David nennt sein Auto Kumpel, ich frage mich, von welchem Wort das abgeleitet wurde – also wie das englische Original war. Mate?   Nein, das ist zu britisch. Aber passen würd’s. Date a car. Analytisch gesehen schätze ich mal, dass es mit der Menschheit schon ganz schön weit gekommen ist, wenn man anfängt Autos, Gegenstände, Maschinen zu humanisieren, gar zu emotionalisieren. Und nochmals: ein Auto, das spricht. Wie geil ist das denn bitte. Wundern tut mich aber gar nichts mehr, ich kenne Menschen, die ihrem ipod kleine Schutzhüllen (eine Mischung aus Wollkondom und Eierwärmer) stricken oder häkeln, eine fetischhafte Beziehung zum Touchpad ihres Mac Notebook pflegen oder Bohrmaschinen Namen geben.
Fernsehen von früher gucken ist vielleicht immer verbunden mit so einem Gefühl von etwas Abstoßung und gleichzeitig nostalgischem Schwärmen für die geschmacklichen Medienverirrungen der eigenen Jugend. Damals gab es noch keine faschistoiden Abgrenzungstendenzen, alles war erlaubt. Ich versuche mal etwas davon zu rekapitulieren:
Die Pizzacats. Ein schlechter Vorläufer heutiger Mangaschwemme, vier oder fünf Katzen in Tokio versuchen die Welt zu retten. Sie essen, ja, Pizza. Ständig. Wurde wohl in einem Büro unter amnesty international-feindlichen Bedingungen von auf einer Deadline sitzenden Zeichencrew entwickelt.
Captain Planet. Das war der Superman für meine erste Kabelfernseherfahrung in bunt. Fünf Jugendliche repräsentieren die vier Naturelemente, dazu ein weiteres Element namens, hüstel, Liebe. Die Erdmutter Gaia. Das alles in Zeiten von Post-Chernobyl. Captain Planet war die umweltrettende Instanz im Hintergrund. Die Mädchen der Crew hatten die Elemente Erde und Wasser, träge Elemente, was auch sonst – gähn. Meinen Müll sortiere ich heute freiwillig, dank Gehirnwäsche.
Der 6-Millionen-Dollar-Mann. Abgesehen davon, dass ich nicht mal  heute annähernd eine bildlich-sensuelle Vorstellung davon habe, wie viel 6 Millionen Dollar sind, war das eine Serie, die mir v.a. akustisch in Erinnerung geblieben ist: durch das Geräusch, das der Mann beim Rennen machte. Er war eigentlich eine lebende Maschine, alle Organe waren durch Kybernetik ersetzt worden. Später bekam er eine Gefährtin, sauteure Mieze, die 7 Millionen Dollar Frau. Noch mehr Geld, die Serie floppte garantiert. Dieses Laufgeräusch wollte keiner im Doppelpack.
Power Rangers. Vergnügt stellte ich fest, dass es diese Truppe noch immer gibt im RTL-Morgenprogramm. Mit neuen Anzügen und neuen Hackfressen in den Spandex-Aerobic-Ganzkörperanzügen. Aber die zackigen Bewegungen und die wahrscheinlich prolligsten Monster in the whole wide world and beyond sind nicht verschwunden. Das interessante an PR ist, dass man unter ihren Schutzhelmen keinerlei Mimik sieht. Bis heute hat mich das sehr irritiert beim Gucken, der eine kriegt was auf die Fresse und kann nur Darth-Vader-like röcheln „aaaaahhhhh….“. Schwachsinn. Ist das vielleicht schon hohe Schauspielkunst, ohne Mimik zu agieren? Sicher nicht. Der Brustumfang vieler lüsterner und schöner Bösewicht_innen ist ebenso gewachsen.
Long live Americananananana.

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