Archive for Januar 2008

peace tower, my ass

Januar 25, 2008

„Ono explained that the [peace] tower came to Reykjavík partly because she did not want it powered by fossil fuels and also because, ‘Iceland is in the north, and in mythology the north is where the power and wisdom comes from and we can spread the power downward.’”

Dear Yoko, go out with me on Saturday night, on Laugavegur/Baronstígur/Leikjatorg and I hope we’ll find that awesome northern “power and wisdom” in the empty buckets of garlic sauce in the best kebap house in town, let’s spread it like art all over the trays and tables and floors. Otherwise I’ll drag you over to SUBWAY’s best homemade finja-northern-mythology, sponsored proudly by Thór&Freya.

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homework

Januar 25, 2008

„Die Rolle des Dolmetschers und Anwalts scheint bis zu einem gewissen Grad unausweichlich, weil Ethnographie in der Tat nicht nur Beobachtung, sondern immer auch Beschreibung des Anderen im wörtlichen Sinne meint: dessen textliche und bildliche Darstellung, Vermittlung und Verbreitung im Sinne einer stellvertretenden Repräsentation, in der man ihn in seinem vorgegebenen Interpretationsrahmen bestenfalls ‚sprechen lässt’. […]
Dem Verstehensversuch muss offenbar ein Versuch des Begreifens vorausgehen, der den Betrachtungsgegenstand ‚objektiviert’. Erst dann kann dessen Subjektivität in Beziehung zur eigenen gesetzt, in differenzierte Bilder aufgelöst und in ‚verstehende’ Begriffen erklärt werden.
Das klingt ein wenig nach der ungeklärten Geschichte von der Henne und dem Ei, doch ist es hier eindeutig die Henne Wissenschaft, die vor dem Ei Forschungsgegenstand gackert.“

Michel Leiris:

„Trotz aller Unterschiede in Hautfarbe und Kultur beobachten wir, bei einer ethnographischen Untersuchung, immer unsere Nächsten, und wir können ihnen gegenüber nicht die gleiche unberührte Haltung einnehmen wie z.B. der Insektenforscher, der voller Neugierde sich bekämpfende oder gegenseitig auffressende Insekten betrachtet.“

(Wolfgang Kaschuba: Einführung in die Europäische Ethnologie: C.H. Beck München 1999)
 

robert „bobby“ fischer R.I.P

Januar 18, 2008

Am Donnerstag verstarb der isländische nýbúi Robert „Bobby“ Fischer in Reykjavík an Nierenversagen. Bekannt wurde Fischer durch sein medienwirksames Auftreten, seine Schachspielkünste und den spektakulären Erwerb der isländischen Staatsbürgerschaft 2005.

Bobbý, helvítis djöfull í töflu, þú varst aldrei með hjartinu þinu á klakanum, hvers vegna skulum við sakna þín? Vertu sæll, róni gamli.

auf du und du mit dem neoliberalismus

Januar 18, 2008

Eine Frau, die ich kenne, jedoch nicht unbedingt schätze, die sogar zwei Jahre jünger ist als ich, erzählte mir neulich, sie sei der jungen Union beigetreten. Da staunte ich sehr – es gibt sie noch, die Konservativen im Wolfspelz, die mit den stylischen Frisuren, nonkonformen Studienkostümen und Parteiausweisen? Ich habe hingegen schon allergrößte Schwierigkeiten, einen semidemokratischen Akt wie die Studierendenparlamentswahl überhaupt ernst zu nehmen und hätte mir nicht eine wiederum andere Frau, hübscher, älter und intelligenter als oben genannte mit Dresche gedroht, falls ich nicht gehe („Sonst gewinnen doch nur wieder die Rechten!“), hätte ich mich nicht dazu bequemt.
Im gleichen Zug erzählte mir dann obige Frau auch, dass sie nun regelmäßig ins Fitnesstudio geht und auch mehr darauf achtet, in ihren Klamotten seriös zu wirken.
Wir leben in Zeiten des neoliberalen Gewinsels. Aber was soll man eigentlich am Neoliberalismus schlecht finden?

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„get over the sorrow, the world is always going to be made of this…“

Januar 9, 2008

Durch den Anton Corbijn-Film über Joy Division wurde nun endlich auch ich mal wieder in die richtige musikalische Richtung gestoßen. Ein Freudenfest über Re-Entdeckung wie nur vergleichbar mit den Smiths, die ebenso achtlos von mir ignoriert wurde, obwohl ich meine Platten mal gegen ihre hätte lieber eintauschen sollen als ich 15 war.
Joy Division sind ebenso eine Band, die ich wohl gerne mit 15 schon gekannt hätte, aber die ich garantiert nicht annähernd verstanden hätte. Mittlerweile ist es ein Spaß, Musik und Texte zu hören, die persönlich einfach viel weniger bedeutet haben – früher (wie soll man auch diese Dimensionen jenseits eines teenage angst Gefühls einordnen?). Die insgesamt recht depressive Seite der Lyrics ist jedoch weitaus mehr als postpubertäres Gewinsel. Eine seltsame Poesie, ähnlich wie bei den Smiths, Worte zum Auswendigflüstern, wichtig.

Fraglich bleibt nur, warum eine Band aus den 1980ern heute, 2008, begeistern kann. Warum selbst jetzt die Zeit der Musik und den Texten keinen Abbruch tut, sondern im Gegenteil, sicherlich retrospektiv, aber dennoch mit Bezug auf die aktuelle Lebenswelt interpretiert werden kann. Warum ist eine so existenzialistisch anmutende Band plötzlich im Mittelpunkt (vom Hype, den begabte tote junge Menschen meist auslösen, mal abgesehen) des Feuilletons und der öffentlichen Aufmerksamkeit? Alles nur verklärende, verkitschende Retrospektive oder ist die Zeit mal wieder reif?
 
These sensations barely interest me for another day, I’ve got the spirit, lose the feeling, take the shock away.

nachschlag

Januar 7, 2008

Wie die Internetseite MyDeathSpace im Nov. 2006 berichtete, gab es 600 Mordopfer und 35 Mörder, die bei MySpace registriert waren. Noch bezeichnender ist, dass MySpace, ähnlich wie FaceBook, eine noch nie dagewesene Plattform darstellt, die es ermöglicht, zu beobachten und zu studieren, wie Jugendliche auf Morde und Gewalt reagieren – damit wird es zu einem Zoo für Anthropologen.“

Och, ich bin gerne kleiner Zoodirektor.

brown submarine

Januar 7, 2008

Heute im Briefkasten:

Intro:
Historisch betrachtet könnte man dieser Flugschrift vielleicht ebenso viel Wert beimessen wie den Flugblättern der Weißen Rose, die mit Heldenmut den Feind im eigenen Land bekämpften und bis zuletzt das wahre Deutschland Friedrich Schillers verteidigten. Wie im folgenden [sic] klar werden wird, kommt Faschismus heute nicht im braunen Gewand daher, sondern mittels subtiler Gleichschaltung/“Vernetzung“ einer ganzen Generation, bei der sowohl Joseph Goebbels als auch Aldous Huxley [sic!!!] vor Neid erblasst wären.

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vaterland/mutterschoß

Januar 2, 2008

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.
Seit dem 15. 12. 2007 werden die Gebärmütter der BRD aufgemischt. Schuld sind die „tollen“ Fernsehspots von Clarissa Ruge, die in einem neuen Aufguss wieder mal das patriotische Gefühl stärken sollen. Ja, erst waren wir Papst, dann Fußballfastweltmeister und jetzt sind wir wieder: Deutschland.

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der gute russe

Januar 1, 2008

Nach fast 10 Jahren Russisch werden wir, die wir uns mal vorsichtig aufgeschlossen nennen würden, vor Wände gestellt. „Wir wollen über die Parlamentswahlen reden! Wir wollen Zeitung lesen! Wir wollen Fernsehberichte diskutieren!“. Nein, Russisch ist seit 1991 ein ahistorisches und apolitisches Fach. Stattdessen wird über überbezahlte Primaballerinas referiert, mein Gott.
Das Land hat keine Geschichte, die Menschen kein Gesicht, es herrscht ein Mief, der nach zusammengekniffenen Schwänzen riecht. Dieselben Dozenten am Werk, die die Arbeiter und Bauern aus den Lehrbüchern tilgen mussten. Und diese Angst vor der Politik, vor der großen Bombe.
Aufregen darf man sich, weil im Falle unseres Interesses an solch ganz und gar neutralen Dingen, wie z.B. dem Aufbau des Parlaments auf das Internet und Eigenrecherche verwiesen wurde; gleichzeitig wird als Lehrmaterial für jene belanglosen Themen des Unterrichts das russische Wikipedia herangezogen. Und das in Zeiten des Bezahlstudiums.
Wozu ist, im Weiteren, eigentlich noch mal David Cronenberg gut?!