vaterland/mutterschoß

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Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.
Seit dem 15. 12. 2007 werden die Gebärmütter der BRD aufgemischt. Schuld sind die „tollen“ Fernsehspots von Clarissa Ruge, die in einem neuen Aufguss wieder mal das patriotische Gefühl stärken sollen. Ja, erst waren wir Papst, dann Fußballfastweltmeister und jetzt sind wir wieder: Deutschland.


Zunächst wollten uns deutsche A-D Prominente mit Poesiealbumweisheiten wie dem vom Orkan verursachenden Schmetterlingsschlag zur Vaterlandsliebe motivieren, was aber generelles Unbehagen hervorrief. Ich sah einen dieser Werbespots mal im Vorspann im Kino und erinnere mich nur, wie mir ganz kalt und heiß wurde, weil man sich für diesen geistigen Dünnschiss nur schämen kann.
Jetzt also mal mit Babys. Babys finden alle süß, große Kulleraugen und viel Lächeln. Zwischendurch auch mal ein paar Zahnspangenträger. Allesamt so herzallerliebst, dass selbst der grobmotorischste Mutterinstinkt geweckt wird. Komm an die Brust, komm auf den Schoß, mein kleines Deutschland. Hoppehoppereiter für den Demografiefaktor.

Mach auf die Tür, die Beine breit.
Aber irgendwas ist schief gegangen. Verflixt. Suchbild mit 10 Fehlern, was lief bei der neuen Kampagne wieder falsch?!
1. Gibt es in Deutschland nur Kinder weißer Hautfarbe?
2. Warum ist das kleine Negerkindlein nur einmal ganz kurz im Hintergrund zu sehen?
3. Welches Familienmodell wird hier propagiert? (dreimal raten, ansonsten über LOS und 150 € pro Kind kassieren)
4. Ist der Fahrdienst mit den behinderten Kindern zu spät zum Dreh gekommen?
5. Ist Abtreibung jetzt nun Mord oder Vaterlandsverrat?
6. Sind adoptierte Kinder aus dem Ausland auch Deutschland?
7. Was haben Konzerne wie Tchibo und OTTO mit der Geburtenrate zu schaffen?
8. Sind die Spots nur an die Gebärmütter der germanischen Akademikerinnen adressiert?
9. Wo sind die Väter?
10. Wo ist Ursula von der Leyen mit ihrem Ponyhof?

Es ließen sich sicher noch beliebig viele weitere Fragen stellen. Und es ließen sich auch weitere interessante Fakten zusammenstellen, z.B. dass unsere „ausländischen Mitbürgerinnen“ einen Anteil von bis zu 30% an der Stabilität der bisherigen deutschen Geburtenrate haben. Ja, der Kümmelali zahlt auch mal DEINE Rente.
Spannend bleibt auch, welche Gesellschaftsschichten hier angesprochen werden. Nein, nicht Jaqueline und Ronny aus Hellersdorf sollen sich fortpflanzen für Ursula von der Leyens Masterplan; auch nicht Ali und Gülem sollen Deutschland sein (beim Sprachtest geschummelt und die Rügener Kreidefelsen nicht erkannt, tse). Schwierig auch, ob Ali und Frederike Deutschland sein können; oder Pedro und Martin. Deutschland, du stehst dir selbst im Weg, willst kein Zuwanderungsland sein und willst auch keine wahre plurale Gesellschaft zulassen, eine Gesellschaft von oben nach unten, links und rechts, längs, quer, peripher und zentral. So wird das doch wieder nichts mit der Vermehrung des weißen, akademischen, reinrassig deutschen (bis in die vierte Generation) Genpools. Absurd auch dazu die öfters gerne zur Schau gestellte Distanz des, ähem, Deutschen zu seinem Passausstellungsland („Diana-Kruger-Syndrom“). Die, die Deutschland sein sollen, wollen gar nicht Deutschland sein, hm, schade. Und die, die vielleicht wollen, dürfen nicht.
Ein Gedanke, ein vielleicht sogar gut gemeinter. Kinder und so, neben Demografie und Rente, auch als emotional-transzendaler Jackpot. Vergessen wir nicht, aus irgendeinem Grund haben sich auch unsere Eltern für uns entschieden.
 Aber dann fehlt mir der Pluralismus. Und es stört mich der einseitige Appell an DIE „deutsche Frau“ (die Herren sind vorerst Samen-, später Geldspender oder was?) mit ihrem fantastischen Durchschnittseinkommen und Durchschnittsleben. Nein danke.
Auffällig bleibt, wie sich hier Reproduktion und Politik ganz unheilig wieder mal annähern, sich umkreisen, es flüstert Lebensborn von hinten rechts. Es flüstert auch von einem verunsicherten Land, das nicht weiß, was es ist und versucht, etwas zu sein, was wie ein gigantisches nimmer endendes Fettnäpfchen rüberkommt. Und es flüstert vom Ende des Privatlebens, der Instrumentalisierung von Kindern als Politikum, der Human Ressource mit den Milchzähnen und vollgekackten Windeln. Wer ist hier deutsch? Und wer darf dann deutsche Kinder zeugen, erziehen, haben? Nächstes Mal also bitte, liebe Frau Ruge, nicht in soviel IKEA-Pausbäckigkeit investieren, Propagandamaterial findet sich auch anderswo.

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4 Antworten to “vaterland/mutterschoß”

  1. Pavel Says:

    In der Langfassung kommt bei 1.10 ein Trisomiekind!

  2. Pavel Says:

    Südländer bei 1.50!

  3. Pavel Says:

    Alles nur Langfassung, wie es scheint.

  4. wir waren deutschland Says:

    hm, ja. quotenmongo, jetzt seh ich’s auch.

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