Archive for the ‘das wirklich wahre leben’ Category

Februar 15, 2008

nichtraucherschutz: ja total! ich liebe den frischen duft meiner kleidung nach kneipenbesuchen&tanzsoirées und gebe mir als smoking gun selber mühe, mehr staatlich verordnete rücksicht zu zeigen.

dennoch ist es extrem ungut, dass man nun für seine sechs züge nikotin alleine und frierend vor einer bar im prenzlauer berg stehen muss, es schummert die neonbeleuchtung über dem kopf und als zwei herren mich nach dem preis fragen, den ich gerne haben würde für meine dienste, ist das draußen-rumstehen-und-drinnen-die-nichtraucher-schützen doch echt aufs beschissenste inkongruent.

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sick

Dezember 18, 2007

So. Kurz vor den Ferien, noch mal rüschtüsch schön krank werden. So mit allem Pipapo, Fieber, Krämpfen, Schüttelfrost, ein Panorama der Malfunktionen. Man entdeckt dabei alte Tugenden wieder, z.B. Hausfrauen-Fernsehshows. Derzeitiger Favorit: „Wir in Essen-Borbeck“ auf RTL II, dem Abendland leise Servus sagen. Eine beinahe ethnographische Annäherung an die Wilden unter uns. Nein, prekäre Schichten sind nicht mehr die Abgemagerten von einst, sie sind aufgedunsen wie mein Kopf, und nein, sie sächseln auch nicht. „Nicole, 37, Hartz-IV-Empfängerin“. Ist das ein Job, frage ich mich. Erstmal Tee brühen. Endlich schlafen, unendlich schlafen, monatelangen Schlafdispo wieder reingeholt. Und am schönsten ist es, wenn die Schmerzen endlich nachlassen. Vorerst im Haus bleiben (öfters mal lüften), denn auf offener Strasse besteht weiterhin die Gefahr, gegen irgendwelche Lichtmasten oder Menschen zu laufen, die Koordination ist eingeschränkt. Überreiztheit produziert auch schon mal Halluzinationen und wirre Träume. Das neue Foucault’sche Lieblingsspielzeug ist das Thermometer, Hüter der Innentemperatur (Rekord bei 39,6°C). die Kleidung pragmatisch-schräg, eine Mischung aus Strumpfhose, drei paar Socken, einem Wollponcho und ja, ich schlafe mit Mütze, denn die Fenster sind undicht. Den Körper vorerst mit sich selbst in Ruhe lassen und juhu, endlich Nichtraucher – seit 74 Stunden.

no CNN headlines, please

November 26, 2007

“ Ich bin diesem Krieg dankbar, in den ich zufällig geraten und in dem ich zufällig stecken geblieben bin, denn er hat mich gelehrt, über den Dingen zu stehen.“

A. Politkovskaya,  „Tschetschenien“ (2002)

Am 2. Dezember sind in Russland Duma-Wahlen

Wie schön, dass wir alle genau wissen, was wir davon vorher und nachher halten sollen. 

mental

Oktober 22, 2007

Heute in der Uni: Katholische Ossa trifft auf linken Wessi.

„Ach so, du studierst auch Geschichte? Ja ich fand ja das Seminar von Soundso total polemisch. Man muss schon ehrlich sagen dürfen, dass die DDR eine Diktatur war. Und es eben nicht nur immer lustig war, ne?“

„Ja, aber dafür hatten die Leute Arbeit… und die Frauen, die konnten z.B. ihre Kinder mit acht Wochen in die Krippe geben, nicht so wie heute.“

„Ich bin entsetzt! Ich bin total gegen Krippe, weil es ist psychologisch erwiesen, dass die Kinder, die damals weggegeben wurden, heute sozial total verroht sind. Also ich bin schon dafür, dass Kinder bei der Mutter sind … wenn die Kinder nämlich ein gutes Heim haben, gute Eltern, ja dann stimmt auch alles andere, dann klappt einfach alles besser. Ich persönlich finde ja die Familie das allerwichtigste … und Deutschland hat ja auch so ein Demographieproblem, … aber für Eva Hermann bin ich nicht, weil die schwafelt ja schon wieder von den Nazis … du kannst übrigens die Familienpolitik der Nazis mit der der DDR vergleichen. Das war ja alles Gehirnwäsche. Meine Eltern haben sich schon immer in der Kirche engagiert … ich bin Katholikin. Ich glaube eben an Gott, und wenn jemand kommt und sagt, ich sollte Wehrübungen machen, ne, dann geht das ja gar nicht zusammen mit meinem Glauben, dann ist das total dagegen. Und ich kann schon von Glück sagen, dass ich überhaupt studieren darf und kann, ich meine, total viele Pfarrerskinder wie ich, die studieren erst gar nicht, die müssen einen Beruf lernen und das war’s. Aber ich hab schon geguckt, dass es mit meinem Glauben übereinstimmte. Bin jetzt schon ziemlich froh und so, aber ich hätte mich auch anders entscheiden können.
Und du? Du bist ja aus Süddeutschland. Wie ist das denn so bei euch, ihr seid ja alle ein bisschen konservativer.“

„Also ich bin zwar aus Bayern, aber ich bin Sozialdemokrat.“

„Eeeeeeecht?? Also, so richtig in einer Partei?“

„Ja, ich bin bei den Linken.“

„Wie stehst du dann eigentlich zum Sozialismus, ich meine, deine Perspektive muss ja eine ganz andere sein, du hast das sicher ganz anders gelehrt bekommen.“

„Naja, ich bin gegen Diktatur, aber ich finde die sozialistische Idee….schon ganz gut irgendwie.“

„Aha, aber du weißt ja wohl, dass auch das Dritte Reich einen NationalSOZIALISMUS beinhaltete. Ich verstehe echt nicht, warum im Westen die Geschichtsschreibung immer noch so nazilastig ist. Es gibt einfach keine zwei Auslegungen! Das waren Verbrechen! Aber da waren ja auch so viele Leute drin verstrickt… aber alles wird verharmlost. Wie bei dem Professor, der die Populärkultur in der DDR so gut fand.“

(Kreis schließt sich hier. Amen)

orðin eru gagnsæ – words are transparent

Oktober 5, 2007

Tongue United
By Jonas Moody

Uncourtesy by: Icelandic Review, issue 03/07

British autistic savant Daniel Tammet learned Icelandic in one week. On a dare. This summer the 28-year-old returned to Iceland, where he feels the landscape rivals only the number pi in beauty. Some might find this an odd comparison, but because of a rare condition called synaesthesia, numerals and letters are more than facile figures to Tammet’s mind: they express entire worlds of color and emotion.

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In der Innenstadt nur ein Gedanke

August 10, 2007

„Centuries of inbreeding“

you remind me

Juli 15, 2007

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, wer alles von meinen Bekannten auf diesem Planeten an Blogs schreibt. Sicher einige. Mein sozialer Autismus, der hier in diesem Blog ja nur seine visuell-graphische Manifestation findet, hält mich meist davon ab, rauszufinden, wer alles im Netz unterwegs ist.
Heute erhielt ich einen Link für einen neuen Blog. Der wird von einer Frau geleitet, bei der, na, ich mal Kostgänger war, meine Wäsche wusch und im Gegenzug jeden Samstag ihre Töchter badete. Außerdem durfte ich die „lieben Kleinen“ jeden Morgen zum KG fahren, weil Mama noch bis 10 Uhr im Bett lag; machte als konsequenter Atheist jeden Sonntag das Mittagessen, wenn die Familie in der Kirche war (weil’s da auch immer Suppe gab – Unterschicht auf ausländisch), missbrauchte ihre Internetflatrate bis zum Anschlag (Einsamkeit auf einheimisch), las Dornröschen in allen Sprache die ich kann, machte Nahkampfkonfliktbewältigung (Kindererziehung in Echtsprech) und ließ mich stets belehren über die Wunder der Fortpflanzung und Sojamilchproduktion im eigenen Heim.
All das fällt mir eben wieder ein, wenn ich dieselben Fratzen sehe, die mich gut behandelt haben – keiner muss bei uns unterm Tisch schlafen – aber die mir so penetrant auf den Wecker gefallen sind, dass es kaum zu glauben ist, dass ich freiwillig 6 Monate mit ihnen verbrachte, hoffend, irgendwie, es würde besser, man würde durchbrechen zu den Menschen hinter den Masken.

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i )heart( unterschichtenfernsehen

Juni 30, 2007

Leugnen ist feige – ich habe heute nach ich weiß nicht wie vielen Dekaden (einer vielleicht) eine Folge Knight Rider gesehen. Um meinen Ruf nicht komplett zu ruinieren, ich sah eigentlich nur den ersten Part bis zur Werbung.
Was war das nur? Retro? Nostalgie? Das Wissen, dass ich das als Kind ohne zu fragen echt GERNE geguckt habe?
Ein Mann. Ein Auto. Im Kampf gegen Ungerechtigkeit. Sagt die Stimme am Anfang. Ich guckte eine Folge, wo David Looking For Freedom Hasselhoff von drei Verbrechern niedergeschlagen wird. Er landet unter lebensgefährlichen Umständen im Krankenhaus, überlebt den Angriff – natürlich (schon mal erlebt, dass der Held so ganz ohne großes Potpourri abnibbelt?) und liegt dann geschwächt im Bett (später auf Ausgang im Krankenhauspavillion in knielangem, bordeauxfarbenen Samtmorgenrock) an sich, der Welt und überhaupt allem zweifelnd. Draußen vor der Tür steht Kit, das sprechenden Auto. Ja, sprechendes Auto. In diesem Moment ging mir eine Glühlampenfabrik an Absurdität auf – ich meine, welche schlechten Drogen hat man zu sich genommen, ein Drehbuch mit einem Mann zu schreiben, der sich über seine Casio-Bleep-Bleep-Uhr mit einem Auto unterhält? Das Auto wurde sogar sehr zärtlich, schmachtete David an von außerhalb der Mauern – er könne nicht bei ihm sein, denn Autos wären ja nun mal leider nicht in menschlichen Gebäuden zugelassen. Da bekommt das Wort Autoerotik gleich eine andere Konnotation. David nennt sein Auto Kumpel, ich frage mich, von welchem Wort das abgeleitet wurde – also wie das englische Original war. Mate?   Nein, das ist zu britisch. Aber passen würd’s. Date a car. Analytisch gesehen schätze ich mal, dass es mit der Menschheit schon ganz schön weit gekommen ist, wenn man anfängt Autos, Gegenstände, Maschinen zu humanisieren, gar zu emotionalisieren. Und nochmals: ein Auto, das spricht. Wie geil ist das denn bitte. Wundern tut mich aber gar nichts mehr, ich kenne Menschen, die ihrem ipod kleine Schutzhüllen (eine Mischung aus Wollkondom und Eierwärmer) stricken oder häkeln, eine fetischhafte Beziehung zum Touchpad ihres Mac Notebook pflegen oder Bohrmaschinen Namen geben.
Fernsehen von früher gucken ist vielleicht immer verbunden mit so einem Gefühl von etwas Abstoßung und gleichzeitig nostalgischem Schwärmen für die geschmacklichen Medienverirrungen der eigenen Jugend. Damals gab es noch keine faschistoiden Abgrenzungstendenzen, alles war erlaubt. Ich versuche mal etwas davon zu rekapitulieren:
Die Pizzacats. Ein schlechter Vorläufer heutiger Mangaschwemme, vier oder fünf Katzen in Tokio versuchen die Welt zu retten. Sie essen, ja, Pizza. Ständig. Wurde wohl in einem Büro unter amnesty international-feindlichen Bedingungen von auf einer Deadline sitzenden Zeichencrew entwickelt.
Captain Planet. Das war der Superman für meine erste Kabelfernseherfahrung in bunt. Fünf Jugendliche repräsentieren die vier Naturelemente, dazu ein weiteres Element namens, hüstel, Liebe. Die Erdmutter Gaia. Das alles in Zeiten von Post-Chernobyl. Captain Planet war die umweltrettende Instanz im Hintergrund. Die Mädchen der Crew hatten die Elemente Erde und Wasser, träge Elemente, was auch sonst – gähn. Meinen Müll sortiere ich heute freiwillig, dank Gehirnwäsche.
Der 6-Millionen-Dollar-Mann. Abgesehen davon, dass ich nicht mal  heute annähernd eine bildlich-sensuelle Vorstellung davon habe, wie viel 6 Millionen Dollar sind, war das eine Serie, die mir v.a. akustisch in Erinnerung geblieben ist: durch das Geräusch, das der Mann beim Rennen machte. Er war eigentlich eine lebende Maschine, alle Organe waren durch Kybernetik ersetzt worden. Später bekam er eine Gefährtin, sauteure Mieze, die 7 Millionen Dollar Frau. Noch mehr Geld, die Serie floppte garantiert. Dieses Laufgeräusch wollte keiner im Doppelpack.
Power Rangers. Vergnügt stellte ich fest, dass es diese Truppe noch immer gibt im RTL-Morgenprogramm. Mit neuen Anzügen und neuen Hackfressen in den Spandex-Aerobic-Ganzkörperanzügen. Aber die zackigen Bewegungen und die wahrscheinlich prolligsten Monster in the whole wide world and beyond sind nicht verschwunden. Das interessante an PR ist, dass man unter ihren Schutzhelmen keinerlei Mimik sieht. Bis heute hat mich das sehr irritiert beim Gucken, der eine kriegt was auf die Fresse und kann nur Darth-Vader-like röcheln „aaaaahhhhh….“. Schwachsinn. Ist das vielleicht schon hohe Schauspielkunst, ohne Mimik zu agieren? Sicher nicht. Der Brustumfang vieler lüsterner und schöner Bösewicht_innen ist ebenso gewachsen.
Long live Americananananana.

kurzeweile

Juni 17, 2007

Ok, langsam verkommt dieser Blog zu einem mittelintimen Familienfest – virtueller Nudelsalat in der Tupperdose. Subjektivität kriecht aus jeder Ritze und wäre es nicht, dass ich einen Hausmeister hätte, der immer mal wieder die zerbrochenen Scheiben neu glasern lässt oder den Flur 14tägig nass durchwischt, sowie mich ab und zu mal ermahnt, die Birne im Oberstübchen auszuwechseln, sie würde immer so einen Wackelkontakt haben…tja.
In einem Anflug domestizierter schlechter Laune begab ich mich aufs Fahrrad. Einmal rund um den Tierpark, das Regierungsviertel und die olle schöne lieblich nach ein wenig Ostsee (naja oder was auch immer) duftende Spree. Touristenknäuel, Velotaxis, schreisingende Rumänen am Akkordeon; am Ufer des Flusses Trommelmenschen, Sonntagsausflügler, ein Fotoshooting. Am Tiergarten winkte ich kurz Horst Köhler beim Sonnenbaden zu. Danach erblickte ich es: das Rudel. Zunächst mochte man denken, das Zigeunerlager, bekanntlich irgendwann in den Himmel gezogen, wäre wieder zurückgeplumpst, mitten in den Tiergarten. Oder sei wie Pilze aus dem noch-grünen Rasen gesprossen. Schon von weitem hätte ich die Rauchschwaden über den Bäumen erblicken können.
Das Schöne für mich als Berliner Binnenmigrant ist ja, hier Dinge zu sehen, die ich bis dato nur aus dem Fernsehen kannte und jetzt in echt und Farbe erlebe. Dazu gehört im Sommer: das türkische Massengrillen im Tiergarten. Ganze Rinder sollen da verzehrt werden, knietief watet man in Knochen und Speiseresten, beißender Rauch verhüllt die Sicht. Welcome to little Istanbul.
Naja. Vielleicht ist ja noch nicht der Höhepunkt der Saison erreicht, wer weiß. Zumindest waren da keine Rinder. Nur viele Muttis auf Decken, mit Kopftuch. Ihre Kinder, ziemlich dicke Mädchen, die, sicher noch nicht in der Pubertät, schon Brustansatz haben und die dritte Packung Eistee runterglucksen, tummeln sich um sie rum. Patriarchische Familienoberhäupter stehen am Grill und schauen der erlegten Beute beim Tropfen und Qualmen zu. Alternativ wird männlich, breitbeinig auf klapprigen kleinen Stühlchen gebrunzt, geschmerbaucht, Sonnenblumenkerne und Kürbiskerne rattern durch die Luft. Ich vermute im Stillen, in so einem kleinen Anfall gehässiger Doitschtümelei, sie fangen und essen auch Eichhörnchen. Kicher. Die dicken Eisteemädchen sehen jedenfalls so aus, als knabbern sie gerade so ein gebratenes Eichhörnchen am Stiel. Hihi.

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Szenenwechsel in mein verträumtes kleines Heim, einer preiswerten Auffangstation für weitestgehend mitteloses sowie ausländisches junges intellektuelles Prekariat. Es ist Sommer, eigentlich hätte ich vorgewarnt werden sollen – aber ich habe die Zeichen nicht sehen wollen. Sommer, ach was, das geht ja schon im Frühling los: Pärchenzeit.

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wo die welt noch in ordnung ist

Juni 6, 2007

 nämlich da, wo verschwitzte bauarbeiter um die mittagszeit jungen frauen hinterherpfeifen und dabei ihren tabak ausm mundwinkel ausspucken.

und ich dachte schon, die welt wäre am auseinanderfallen (G8, klima, sich näherndes sommerloch der privat-öffentlichen fernsehkanäle). puh.