Archive for the ‘nikakoi about:’ Category

Februar 9, 2008

ende januar las vladimir sorokin aus seinem nun auch auf deutsch erschienenen buch „der tag des opritschniks“ u.a. in berlin-wannsee. feines folk auf dem weg zum ihm, altersschnitt 37+. eine schlechte musik leitete seine ankunft ein: sorokin, schlicht, ergraut, wieseläugig, schwebt herein, anbei eine dolmetscherin und ein übersetzer.
2 stunden liest sorokin, singt sorokin (bylina!), sorokin lacht, klatscht, und gibt ordentliche, verwertbare statements zum zustand russlands.
einmal auge in auge mit einem geheimen spätadoleszenten helden.
und doch ist das publikum ein bißchen wie die täubchen, die die kleinen brotkrumen der wahrheit aufpicken. hacken sich in ihrem demokratieverständnis fast die äuglein aus und ersticken an ihrem kropf von sellbstvergessenheit. jaja, das ist alles satire.

Advertisements

„get over the sorrow, the world is always going to be made of this…“

Januar 9, 2008

Durch den Anton Corbijn-Film über Joy Division wurde nun endlich auch ich mal wieder in die richtige musikalische Richtung gestoßen. Ein Freudenfest über Re-Entdeckung wie nur vergleichbar mit den Smiths, die ebenso achtlos von mir ignoriert wurde, obwohl ich meine Platten mal gegen ihre hätte lieber eintauschen sollen als ich 15 war.
Joy Division sind ebenso eine Band, die ich wohl gerne mit 15 schon gekannt hätte, aber die ich garantiert nicht annähernd verstanden hätte. Mittlerweile ist es ein Spaß, Musik und Texte zu hören, die persönlich einfach viel weniger bedeutet haben – früher (wie soll man auch diese Dimensionen jenseits eines teenage angst Gefühls einordnen?). Die insgesamt recht depressive Seite der Lyrics ist jedoch weitaus mehr als postpubertäres Gewinsel. Eine seltsame Poesie, ähnlich wie bei den Smiths, Worte zum Auswendigflüstern, wichtig.

Fraglich bleibt nur, warum eine Band aus den 1980ern heute, 2008, begeistern kann. Warum selbst jetzt die Zeit der Musik und den Texten keinen Abbruch tut, sondern im Gegenteil, sicherlich retrospektiv, aber dennoch mit Bezug auf die aktuelle Lebenswelt interpretiert werden kann. Warum ist eine so existenzialistisch anmutende Band plötzlich im Mittelpunkt (vom Hype, den begabte tote junge Menschen meist auslösen, mal abgesehen) des Feuilletons und der öffentlichen Aufmerksamkeit? Alles nur verklärende, verkitschende Retrospektive oder ist die Zeit mal wieder reif?
 
These sensations barely interest me for another day, I’ve got the spirit, lose the feeling, take the shock away.

vaterland/mutterschoß

Januar 2, 2008

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.
Seit dem 15. 12. 2007 werden die Gebärmütter der BRD aufgemischt. Schuld sind die „tollen“ Fernsehspots von Clarissa Ruge, die in einem neuen Aufguss wieder mal das patriotische Gefühl stärken sollen. Ja, erst waren wir Papst, dann Fußballfastweltmeister und jetzt sind wir wieder: Deutschland.

(more…)

black swans.

Dezember 14, 2007

Ich: „Asha, es ist Viertel nach sechs, auf was warten wir denn noch?“
Asha: „Na, auf den Führer!“

(more…)

Ich du er sie es Elite

Oktober 22, 2007

Soso. Es hagelt Auszeichnungen, Sternchen, Preise, Lob und Küsschen – ja auch an der Spree wurden Sektflöten mit Henkell Trocken gefüllt, makrobiotische Schnittchen an die hungernden Schwertträger der Gesellschaft verteilt, die Stars und Politiker aus Fernsehen und Rundfunk, das Galapersonal, die Lakaien in Livrées und weißen Puderperücken, alle waren sie da – Freunde, Familien, Fans – heute ein König; fehlt nur noch die markante stimme von Til Schweiger, die rau und herb das langsam über den Bildschirm gleitenden Panorama der Sieger in Sepiatönen zur Musik von Sarah Brightman kommentiert. „Hier sehen sie die Initiatorin des Wettbewerbs… Annette Schavan… um ihren Kopf bildet sich langsam ein Schein, der das übrige Publikum blendet.“ Kurz, wir befinden uns im akademischen Arkadien und um uns rum blüht der Spross der Elite, will sagen: wir gruben nach Rohdiamanten und fanden eine Ölquelle.

(more…)

la grande nation

Oktober 5, 2007

Ein jeglicher Bericht über Island, so auch der des Tagesspiegels vom 23. 09. 2007, betrachtet diese Nation und seine versponnenen Eigenheiten  mit Verwunderung, Belustigung, in seltenen Fällen mit Verstörung – letzteres betrifft besonders die traditionelle Ernährungsweise mit Haifisch und sauer eingelegten Hammelhoden. Offizielle Beiträge über Insel und Bewohner müssen aber immer einer inneren Diktion von Stolz auf das eigene erfüllt sein, man versichert den Leser, alle haben es gut, es gibt Unmengen von Geld, alle seien gleich und jeder könne lesen und schwimmen, dank Saga-Tradition und heißen Quellen. Glück ist scheinbar nur eine Technik und beruht auf staatlich verordneter Progressivität.

(more…)

pornokino potsdam

September 28, 2007

Zufälle, ungenutzte Zeit und schönes Wetter brachten mich in die Nähe von Potsdam auf eine dezente Einladung zum gemeinsamen Pornogucken, wobei sich rausstellte, es war gar nicht Porno, sondern nur Sozial- und Gesellschaftskritik an ausgezogenen Menschen.
Obacht, Plotspoiler!

(more…)

ohne titel

September 16, 2007

Ein Thema, das mir schon länger im Kopf herumschwirrte, bis jetzt jedoch nur stückchenweise realisiert wurde. Es ist ein Fragment geblieben.
Is it bullshit? Discuss!

Seit etwa einem Monat schwemmt immer mal wieder Nazi-Müll vor meine Füße. Fest der Völker, diskutierende Inder in meiner Küche nach den Überfällen in Mügeln, Eva Herman ist die Braut Satans. Danach diskutiert Deutschland wieder heftig, es werden Themensendungen einberufen, es werden Experten zusammengetrommelt, mit Fahnen und Signalhorn soll da die latente Friedfertigkeit des gemeinen Teutonen nachgewiesen werden: nee echt, so schlimm sind wir nun echt nicht, dass sind immer nur wieder dieselben. Böse Jungs aus Ostdeutschland, die weder eine Perspektive haben, noch wissen, wie man „Perspektive“ richtig schreibt.
Es ist so schön lässig, den schwarzen Peter irgendwelchen namenslosen, uniform infizierten ostdeutschen (nettes Adjektiv) Jugendlichen zuzuschieben. die, prekär, verroht und überfordert mit den Ansprüchen einer hysterischen Gesellschaft die Buhjungs der Nation verkörpern, das Übel, das man vielleicht mit viel Pflege und Liebe aus einer braunen-roten Wurzel zur blühenden Landschaft züchten könnte. Insgeheim war damit wohl jeder froh, das Problem erkannt, wenn auch nicht langfristig gelöst zu haben.

(more…)

musik für eine andere wirklichkeit

August 27, 2007

Ein Zufall brachte eine Blumfeld-Platte zu Tage: Testament der Angst, Kompositionen über den Zustand wenn nichts mehr weitergeht und dann ist man plötzlich durch damit.

Testament der Angst kam heraus als ich 16 war und ich L-I-E-B-T-E Blumfeld, als Rettung aus der Kleinstadthölle, als Distinktionsmittel, mein Intellekt vs. deiner. Ärzte gegen Blumfeld, Tote Hosen gegen Blumfeld, Fanta Vier gegen Blumfeld.
Ich habe Blumfeld damals zweimal live gesehen in der kleinen Stadt und es war nie umwerfend. Blumfeld-Konzertgänger wippen ein wenig mit dem Oberkörper und gehen höchstens aus sich raus bei
a) Tausend Tränen Tief (Klammerblues für Paare)
b) Verstärker (Kopf ab und rauf in die Luft).

Und doch war es unglaublich, ein ganzer Saal voller Blumfeld-Fans, es gibt so was wie eine Hoffnung, denkt man da, man ist aber nur 16 und muss aber am nächsten Tag in die Schule und auf all diese Freiheiten noch bissi warten.

Wer Blumfeld hörte hatte in einer kleinen Stadt schnell Feinde. Wer Blumfeld hörte, wäscht auch der Deutschlehrerin Sonntagnachmittag das Auto. Wer Blumfeld hört, trägt hässliche Brillenmodelle. Blumfeld machen Kopfmusik mit Texten und zu Blumfeld kann man nicht tanzen.
Ich hörte stur Blumfeld. Eine, wie ich jetzt weiß, schimmernde Ahnung von großen Gedanken, die es in der kleinen Stadt nicht zu finden gab. Eine Ahnung eines wirklich besseren Lebens das man dann eines schönen Tages hinterm Horizont beginnen würde zu leben.

Leben tauschen sich nicht aus. Man nimmt sich ja immer überall hin mit, was für ein Manko der Physik.

Ich will die Wahrheit sagen, darf ich ganz offen sein, ich will Prozac haben.

Mit 16 wollte ich endlich 30 sein, die ganze dumme und überflüssige Jugend überspringen, das Erlernen von Kultur- und Sozialtechnik ausklammern, weil das alles großer Quatsch ist. Ich wurde nicht 30, ich verließ aber die kleine Stadt und seitdem wollte ich auch nicht mehr 30 sein. Auch die Kultur- und Sozialtechniken werden wieder aufgenommen, alte archaische philanthropische Traditionen, nicht ohne immer wieder Zweifel zu hegen:

Ich will nicht in eurer Logik leben.

Und geil, endlich bin ich wirklich alt genug, um Blumfeld zu hören. Selbst Schuhe binden wird zum religiösen Akt. Endlich ist das vorausgenommene Denken der Jugend das des jungen Erwachsenenlebens, endlich füllen sich die Zeichen mit Inhalten, endlich darf man auch komplexe Gedanken ohne störende Eingriffe von außen genießen.

Ich will Gewissheit haben.

Es gibt viele tolle Blumfeld-Lieder. Vielleicht ist Testament der Angst kommerziell und poppig (jaja, Todesurteil), aber Graue Wolken und Anders Als Glücklich sind schon voller lyrischer Perlen auf eine Schnur gereiht. Anders Als Glücklich dabei als das persönliche große Lexikon, ach was leiden wir alle an der Welt. Graue Wolken als das große komprimierte Denken in entleerten Strukturen. Endlich ergeben die Worte einen Sinn, kein wütendes Protesthören mehr unter dem Stereokopfhörer, nein, selbst Distelmeyers Liebeslyrik hat Füße bekommen und führt mich mal kurz rum.

Da hatte man Blumfeld selber schon abgeschrieben, hämische Glückwünsche zum Abschied der Band kamen – natürlich – aus der kleinen Stadt. Texte in eine neue Lebensphase rübergerettet und dann hört doch von mir aus Tote Hosen in der kleinen Stadt. Mir auch egal.

In 7 Jahren bin ich 30. In ihnen auch ein Stück von mir zu sehen.

Vielleicht ist das schon viel. Vielleicht wird das auch alles sein.

outlook heißt nicht aussicht

August 25, 2007

festgegurtet im sicherheitssessel mit den airbags in der fresse, so dass man nicht mal mehr die schimmelige hand vor augen sieht, hören und lesen mir vergeht, allen ernstes überkommt mich selbiger, there’s something earnest about being earnest, spare mit der interpunktation aus misanthropie – heute

bei H&M verkaufen sie buttons mit „as seen on my blog“, „my district“ und anderem quatsch für prä-und zwischendurchpubertierende . heavy irrsinn und fahles licht, dunkelheit überall, the slight and descrete feeling of losing one’s mind – denn nichts ist umsonst

schon mal überlegt wie das so wäre ohne kulturwerkzeuge ach was sie für lasten aus dem klärschlamm der mentalitäten herausholen und was man mit ihnen im trockenen zustand für luftschlösser bauen kann, wenn papier fehlen und stifte und tasten und das denken sich auftstaut hinter schleusentoren mit knarrenden angeln und die schleusen öffnen sich – scheiße! – dann passiert vieles und

wenn dann keine ruhe da ist, die ruhe nicht hereinebbt, aber dalli, dann passiert was ansonsten bleibt der

misanthropie.  sprünge.  in 6 tagen beginnt der deutsche herbst und alle schlafen friedlich auf kastanienfrüchten. tote kinder findet man nur im sommer in gefriertruhen. noch nie war alles so lästig und undurchschaubar, quälend transparent und manipulierbar und gleichzeitig ist die welt eine andere

somewhere somehow somewhen

over no fucking rainbow

nikakoi distanziert sich in zukunft von:

– quatsch & soße

– den voraussetzungen eines normalen denkens

– eingriffen in die privatsphäre von leuten und kommentare zu themen, die mich einen scheiß interessieren und im  grunde nur meinen augen im weg rumstehen, sich endlich mit richtigen dingen beschäftigen und im grunde gehörte dieses selbstheischerische bloggekreische mit auf den müll

– ja morgen fangen wir alle nochmal neu an

someday, somehow, coughing out my bad mood muscles – relaxan relaxan 5.2

punkt.