Archive for the ‘spatzenschießen’ Category

Februar 11, 2008

kurz vor dem schlafentzug-overkill bleibt man dann sonntag abend an anne will und ihrer talkshow im ersten hängen.
schäuble wurde herangerollt, ein paar muselmanen mit deutschem pass und akkulturation im blut, hendryk m. broderick.
gedöns und zeit. „das brüchige vertrauen zwischen türken und deutschen“. so schallerte es aus der medienkantine. nach dem brand („die katastrophe!“) in einem wohnhaus in ludwigshafen rief es gleich „hoyerswerda und solingen“, der türkische präsident, der präsident VON DENEN, reiste an und hielt eine emotionale rede in köln.
na, da geben sich die „latente inländerfeindlichkeit“ brodericks und die „assimilation ist ein verbrechen gegen die menschlickeit“ erdogans die schmierige pfote in die hand.

latente – was bitte?? es wurde geredet von „urdeutschen“ und „passdeutschen“ und „den türken“ (genau, DIE TÜRKEN!). von der verachtung, ja dem HASS, den so eine braunhaut verspürt beim anblick eines deutschen. uah! deutschland hat geschlafen, als es einwanderungsland wurde, und deutschland hat unglaublich geschlafen, als es längst ein kultureller hybrid war, mischmenschen in sich hausen und fortpflanzen ließ. nur, so broderick, die hätten sich mühe gegeben, sich anzupassen. jawoll. der ruhrpole ist uns näher als der anatolier.

derweil ist assimilation ein verbrechen. integration ist aber keine assimilation, sie bedeutet auch: partizipation. jedoch, die bilateralität dieses unterfangens ist in bezug auf den islam und seine den deutschen michel erschaudern lassende symbolik tief in den dreck gefahren. denn hier leben menschen, die gegen brennende häuser UND den bau von moscheen sein können. für freunde der semantik unter uns möchte ich auf die dimension dieser feindlichkeit hinweisen, die man erhält, wenn man z.b. das wort „moschee“ mit „synagoge“ ersetzen würde. hui hui, da gäbe es aber einen aufschrei in der mittelschicht.
so what?

doch keine türkischsprachigen schulen? keine kopftücher? (aber kreuze als schmuck?)
keine moschee, lieber hinterhof? hendryk m. broderick, retter des mißverstandenen und geächteten inländers?
dieses land schlägt in seiner steißgeburt als migrantischer lebensraum hohe wellen.

der gute russe

Januar 1, 2008

Nach fast 10 Jahren Russisch werden wir, die wir uns mal vorsichtig aufgeschlossen nennen würden, vor Wände gestellt. „Wir wollen über die Parlamentswahlen reden! Wir wollen Zeitung lesen! Wir wollen Fernsehberichte diskutieren!“. Nein, Russisch ist seit 1991 ein ahistorisches und apolitisches Fach. Stattdessen wird über überbezahlte Primaballerinas referiert, mein Gott.
Das Land hat keine Geschichte, die Menschen kein Gesicht, es herrscht ein Mief, der nach zusammengekniffenen Schwänzen riecht. Dieselben Dozenten am Werk, die die Arbeiter und Bauern aus den Lehrbüchern tilgen mussten. Und diese Angst vor der Politik, vor der großen Bombe.
Aufregen darf man sich, weil im Falle unseres Interesses an solch ganz und gar neutralen Dingen, wie z.B. dem Aufbau des Parlaments auf das Internet und Eigenrecherche verwiesen wurde; gleichzeitig wird als Lehrmaterial für jene belanglosen Themen des Unterrichts das russische Wikipedia herangezogen. Und das in Zeiten des Bezahlstudiums.
Wozu ist, im Weiteren, eigentlich noch mal David Cronenberg gut?!

bund deutscher schwuler mädchen

Dezember 18, 2007

Da hat der hausmeister mir einen Link geschickt, den ich oberflächlich gar nicht so wahrgenommen habe. Und da ist man mal gar nicht so beschäftigt, dann hat man auch Zeit für’s Lesen… und da kommt erstaunlicherweise ein dümmlicher Schmus bei heraus! Kann es eine christlich geprägte Anthropologie überhaupt geben, darf man sich an dieser Stelle fragen. Muss das nicht alles so schön neutral sein. Naja, letzten Endes wirft ja sowieso jeder mehr oder weniger stark gefiltert in die Runde, was er im Rucksack dabeihat.
Im konkreten Fall ging es um einen Dozenten, der vormals eine Frau war und nun in Hamburg in der Genderlehre mitrührt. So weit, so unspektakulär. Man darf natürlich nicht vergessen, dass Hamburg Studiengebühren erhebt. Umso mehr fragt sich der eifrige Student, ob er „das“ mitfinanzieren möchte – nämlich das, was als ledigliche Verwissenschaftlichung des eigenen Hobbys interpretiert wird und wenn es gar mit Sex zu tun hat („Uh Schmuddel!“), dann die Verwissenschaftlichung desselben. Es gibt noch recht drollige Kommentare, wie z.B.: „Hat der Asta eigentlich auch ein Hetero-Referat, das solch exotische Sexualpraktiken wie Kindszeugung propagiert?“, bis es dann kippt:

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Ich du er sie es Elite

Oktober 22, 2007

Soso. Es hagelt Auszeichnungen, Sternchen, Preise, Lob und Küsschen – ja auch an der Spree wurden Sektflöten mit Henkell Trocken gefüllt, makrobiotische Schnittchen an die hungernden Schwertträger der Gesellschaft verteilt, die Stars und Politiker aus Fernsehen und Rundfunk, das Galapersonal, die Lakaien in Livrées und weißen Puderperücken, alle waren sie da – Freunde, Familien, Fans – heute ein König; fehlt nur noch die markante stimme von Til Schweiger, die rau und herb das langsam über den Bildschirm gleitenden Panorama der Sieger in Sepiatönen zur Musik von Sarah Brightman kommentiert. „Hier sehen sie die Initiatorin des Wettbewerbs… Annette Schavan… um ihren Kopf bildet sich langsam ein Schein, der das übrige Publikum blendet.“ Kurz, wir befinden uns im akademischen Arkadien und um uns rum blüht der Spross der Elite, will sagen: wir gruben nach Rohdiamanten und fanden eine Ölquelle.

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about a girl

August 14, 2007

nothing to add.

wo die blumen blüh’n

Juni 11, 2007

So, genug hormongesteuertes literarisches Rumgesmuuze.
Fakten Fakten Fakten.

Wie? G8 schon vorbei? Noch nicht mal die Finger knacken lassen überm Board und schon ist die angekündigte Miniserie ins Wasser (oder Wasserwerfer?) gefallen. Hier also der Nachschlag zum Vorschlag.

Ein mir bekannter junger Mann im selben Alter wurde neulich von mir erblickt, wie er erschöpft, müde, aber vor allem sehr gut gebräunt aus dem Chaos-Camp wiederkehrte. Ich begrüßte ihn, den frisch getauften Neomarxisten, mit den Worten: „Na, heute schon gekämpft?“ Ob seiner Müdigkeit, vermute ich, entsprang eine raunziger, subtil aggressiver Knurrlaut in meine Richtung.
Ein paar Tage zuvor nämlich, wieder betraf es jungen eben genannten Mann, hatten wir uns beim Kochen von Möhreneintopf (bodenständig: ich) und dem vierten Glas Bacardi-Cola (paradox-kapitalistisch: er) gestritten, wer hier eine neoliberale, unpolitische Sau sei. Da ich mein Essen nicht verkochen lassen wollte, zog ich den Kürzeren und bin jetzt halt eine neoliberale Sau. Basta.
Der G8-Gipfel hat mich deswegen wohl auch nur peripher gestreift, will sagen, erschien in meinem Wahrnehmungshorizont irgendwo links unten, gleich neben „Mama anrufen“ und „Mantel reinigen lassen“.  Erst im Nachhinein, als der ganze Zirkus schon mit seinen feuer- und wasserspuckenden Dompteuren vom Feld gezogen war, kamen die bunten Fähnlein und Kampfansagen und Protestmärsche in mein Bewusstsein. Ah, da war doch was: Ostsee, Strand, Sicherheitszone. Menschen, teilweise wichtige, gingen nach Quallen tauchen und machten Strandkorbsitzen populär (Vladimir in Schwimmflügeln…hm…George mit Sand im Schuh…).

Wie gesagt, ich hatte es mir mit meinem neomarxistischen Bekannten verscherzt durch meine Anti-Anti-Gipfel-Haltung. Dass kann ja wohl nicht sein, du musst doch eine politische Meinung haben?! Äh ja, schon, aber die lasse ich nur raus, wenn’s dunkel wird.
Für viele der Agitatoren (um ein mit der DDR untergegangenes Substantiv zu beleben) der Proteste ging es meiner Sicht nach doch nur um eines: zelten, marschieren (können die Deutschen irgendwie immer gut), zusammen aus einem trog Essen fassen und sich abends den Sonnenbrand eincremen. Ab und zu sicherlich auch Sex im Sperrgebiet. Demonstrationen wie die gegen die Konferenz in Heiligendamm verdeutlichen ja immer auch auf so fast schmerzhafte Weise, wie sehr Menschen sich im Alltag egal sind, sie sehen sich nicht und erst im Massenevent finden sie wieder sozialen Frieden unter ihresgleichen, na, der Määäääääääänsch bleibt (eben) Mänsch, wie das Grönemeyer und Bono in Rostock formulierten. Wo sind die ganzen Gegner jetzt eigentlich? Haben sie wieder ihre Buttons abgemacht, die Jesus-bzw. Trekkinglatschen ausgezogen und marschieren nur noch müde über Institutsgänge? Lässt sich Erfolg, also in diesem Sinne das Durchdringen der Unzufriedenheit zu denen, die die symbolische und politische Macht besitzen über viele Entscheidungen, überhaupt messen? Wohin verpufft die ganze Energie der fleißig geübten Sitzblockaden wohl ernährter und gut informierter Wohlstandskinder? Ich gestehe einigen ein tatsächliches Anliegen zu, eine Bereitschaft zur Veränderung, die mit dem Protest nur eine Plattform des Ausdrucks sah. Der Rest? Ein Raunzen über die „voll pottige“ vegane Verpflegung (O-Ton mein Bekannter) und den muffeligen Geruch im Gemeinschaftszelt.
G8, das Event deines Sommers. Wir waren so dabei, haben so geschwitzt und so Durst gehabt. Bekanntschaften geschlossen mit schwedischen autonomen Anarchisten, hey kommt doch mal rüber auf ein Bier, wir grillen nachher noch Tofu. Der Mensch, der junge, hordet sich gerne, ist nicht gerne alleine – all you need is the korrekte Grundeinstellung. Endet aber meist in besoffenem polemischem Geschwätz (s.o.), das generös übersieht, dass Dialog da anfängt, wo man den anderen auch mal zu Wort kommen lässt. Du hast eine eigene Meinung? Prima! Sie ist nicht so wie meine? Leider muss ich dich jetzt eine neoliberale Sau nennen, dein Auto zerkratzen und in deinen Garten pissen.

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die revolution ist ein ponyhof

Juni 1, 2007

Erster Juni, BRD, Europa, Erde, Universum, hintere Milchstrasse gleich links: noch eine Woche bis zum Beginn des G8-Gipfels. Alle Augen richten sich auf ein kleines, ehemals mondän ausgerichtetes Kaff in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich für diesen Planeten nicht ganz so unwichtige Menschen zusammenfinden werden.

Die mediale Berichterstattung, ob TV, Print oder Internet erinnert in ihrer Aufgeregtheit an ein kleines Kind in der Nacht vorm Geburtstag – juchhu, endlich trouble in town. Warten, dass es endlich wieder Bambule in Deutschland gibt (hatten ja auch schon lange keinen Krieg oder halbwegs vernünftig ausgeführten Volksaufstand mehr, ne?). Vor lauter Sonderberichterstattungshintergrundinfoaufklärungskampagnenmaterialschlacht weiß ich auch selber nicht mehr, wo man dieses Haarsieb namens G8 – Lovers wie Haters und die irgendwo zwischendrin – aufdröseln soll. Mein instinktiver Impuls will erstmal immer laute Schreigeräusche angesichts der unterirdischen Kommentare so genannter Globalisationsgegner (oder heißt es Globalisierungsgegner?) von sich geben, wenn das nicht alles so furchtbar verzwickt wäre mit der primären Richtigkeit jeglichen Protestanliegens gegenüber einer Veranstaltung wie dieser Konferenz und ihren Teilnehmern.

Vielleicht ist dies der Beginn einer kleinen Miniserie zum G8 (kann mir eigentlich mal jemand sagen, woher diese Abkürzung kommt?), denn ich vermisse einen gewissen Blickwinkel und spezifische kritische Fragepunkte im Medienautoscooter zu dieser Thematik.

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